Bulgarisch gehört zur Gruppe der ostsüdslawischen Sprachen innerhalb der großen slawischen Sprachfamilie. Als Amtssprache Bulgariens leben die meisten Sprecher*innen (ca. 6,5 Millionen) in Bulgarien. Außerhalb wird in den Nachbarstaaten wie der Ukraine, Griechenland oder Rumänien von ca. 1,5 Millionen Menschen ebenfalls Bulgarisch gesprochen. Seit dem EU-Beitritt Bulgariens ist Bulgarisch eine der 24 Amtssprachen der Europäischen Union.
Das Bulgarische ist die erste geschriebene slawische Sprache. In ihrem Sprachgebiet etablierte sich im 9. Jahrhundert das Erste Bulgarische Reich. Die Brüder Kyrill und Method schufen ein slawisches Alphabet zur Verschriftlichung der Bibel in slawischer Sprache und nutzten das Altbulgarische als Ausgangssprache. Religiöse Texte aus der Zeit sind in zwei Schriften erhalten, in glagolitischer und kyrillischer Schrift, von denen viele noch heute erforscht werden wie der Codex Assemanianus. Bis heute wird Bulgarisch in kyrillischer Schrift geschrieben, unterscheidet sich aber in seiner Form stark von den früheren Formen.
Die Entwicklungsstufen des Bulgarischen teilt man in drei Zeitabschnitte ein: Altbulgarisch (9.–11. Jahrhundert), Mittelbulgarisch (12.–14. Jahrhundert) und Neubulgarisch (seit dem 15. Jahrhundert).
Das Standardbulgarische besitzt 6 Vokale, 36 Konsonanten im Phoneminventar und einen freien Wortakzent. Im Gegensatz zu den meisten slawischen Sprachen gibt es im Bulgarischen weniger Formen in der Deklination, besonders die Kategorie Kasus ist reduziert. Dafür ist der Formenreichtum im Verbsystem ausgeprägt u.a. mit vier verschiedenen Vergangenheitsformen. Jedoch kennt das Bulgarische Artikel, ähnlich wie viele germanische Sprachen. Die klassische Wortstellung ist Subjekt-Verb-Objekt, kann aber abgewandelt werden.
Die historischen Gegebenheiten haben das Bulgarische mit vielen Entlehnungen aus dem Griechischen und Türkischen geprägt, während der Erbwortschatz zum größten Teil slawisch ist. In neuerer Zeit kommen auch zahlreichen Anglizismen dazu.
Das Bulgarische weist eine Fülle an Dialekten auf, eingeteilt in drei Gruppen: westbulgarisch, ostbulgarisch und rupzisch. Die verschiedenen Dialekte haben phonologische, morphologische und lexikalische Charakteristika, die sich überlappen und ein Dialektkontinuum zum Mazedonischen und Serbischen bilden. Außerdem lassen sich auch Ähnlichkeiten zu nicht slawischen Sprachen in geografischer Nähe wie dem Rumänischen finden, was durch wechselseitige Einflussnahme z.B. Handelsbeziehungen oder Mischehen entstanden sein kann.
Die Tatsache, dass das Bulgarische solch eine lange Schrifttradition hat, lässt erahnen, wie vielfältig seine Literaturgeschichte ist. Als bulgarischer Nationaldichter gilt Christo Botew (1848-1876).
Quelle
Gutschmidt, Karl. Bulgarisch. In: Miloš Okuka, Gerald Krenn (Hrsg.): Lexikon der Sprachen des europäischen Ostens. Wieser Verlag, Klagenfurt/Celovec 2002
Jeder Forschende versucht ein bleibendes Stück Wissenschaft zu schaffen. Edward Sapir ist in der Hinsicht ein Meisterwerk gelungen, denn er hat unter anderen zahlreiche vom Aussterben bedrohte indigene Sprachen Nordamerikas untersucht und dokumentiert.
Edward Sapir wurde 1884 in Lauenburg in Pommern (heute Lębork in Polen) in eine jüdische Familie hineingeboren. Seine Eltern wanderten 1889 mit ihm in die USA aus. Dort studierte er Germanistik und Indogermanistik in New York und beschäftigte sich schon im Studium mit dem Ursprung von Sprachen, was später ein Tätigkeitsschwerpunkt seiner Arbeit werden sollte.
Angeregt durch die Arbeit des Anthropologen Franz Boas verbrachte Sapir lange Zeit mit der Erforschung indigener Sprachen, die er gründlich beschrieb und für die Nachwelt bewahrte. Die Verbindung der Linguistik und Anthropologie war dabei ein Novum, das uns heute aber als selbstverständlich erscheint. Doch zu Beginn des 20. Jahrhunderts steckte die Interdisziplinarität als fester Bestandteil in der Wissenschaft noch in den Kinderschuhen.
Sapirs arbeitete ab 1907 als Assistent am anthropologischen Institut der University of California und beschäftigte sich besonders mit den indigenen Sprachen, die in Kalifornien beheimatet sind. Dabei kam ihm seine linguistische Ausbildung zugute, denn eine gründliche Beschreibung von Grammatik und Lexik war für ihn genauso wichtig wie die Erforschung der Kultur der jeweiligen Sprachgemeinschaft.
1909 promovierte Edward Sapir über die Grammatik des Takelma, einer indigenen Sprache im Südwesten Oregons. Die folgenden Jahre (bis 1925) forschte er in verschiedenen Bundesstaaten und Kanada, wobei seine Arbeit nicht nur in der Beschreibung der Sprachen bestand. Er versuchte auch Verwandtschaftsbeziehungen zwischen den Sprachen festzustellen und mögliche Lautwandelprozesse zu erklären.
Die Bemühungen seine Arbeit interdisziplinär zu gestalten, konnte er als Professor an der University of Chicago (1925-1931) und der Yale-University (ab 1931) weiter ausbauen. Er versuchte seine Art zu denken und zu forschen zu etablieren, doch wurde ihm von konservativer Seite wenig Unterstützung geboten. Ob es an seiner Art zu arbeiten lag oder an dem Fakt, dass er Jude war, lässt sich nicht genau sagen. Mitte der 1930er Jahren war Sapir gesundheitlich angeschlagen und er zog sich aus der universitären Forschung zurück. Edward Sapir starb 1939 in New Haven.
Sein wissenschaftliches Erbe ist beachtlich. Er beschrieb 39 indigene Sprachen, die heute teilweise ausgestorben sind. Auch das Wissen um die Kultur der Sprachen konnte er, zumindest dokumentarisch, bewahren. Als Linguist achtete er auf eine exakte Beschreibung der Grammatik, vor allem der Phonologie. Er nutzte Methoden der vergleichenden Sprachwissenschaft und maß jeder Sprache eine wichtige Bedeutung bei. Für ihn gab es keine bessere oder schlechtere Sprache, was zu der Zeit noch ein weit verbreiteter Gedanke war.
Auch die theoretische Forschung Sapirs ist beachtlich vor allem im Bereich der Phonologie und Psycholinguistik. Seine Sicht auf Sprachen schuf neue linguistische Disziplinen wie z.B. die Ethnolinguistik. Seine Annahme, dass die Sprache das Denken beeinflusst, wurde von seinen Schülern weiterentwickelt. Daraus entstand die bekannte Sapir-Whorf-Hypothese, die heute allerdings teilweise widerlegt ist.
Nach Sapirs Tod hatten es die Verfechter der interdisziplinären Forschung schwer sich durchzusetzen. Erst in den letzten Jahrzehnten ist die gemeinsame Arbeit von Wissenschaftsdisziplinen, unabhängig welcher Bereich, eine Selbstverständlichkeit geworden. Edward Sapir hat gezeigt wie es gehen kann und warum es die Wissenschaft voranbringt, wenn viele Disziplinen zusammenarbeiten.
Quellen
Regna, Darnell. Edward Sapir: linguist, anthropologist, humanist. University of California Press, Berkeley 1989
Sapir, Edward. Die Sprache: eine Einführung in das Wesen der Sprache. Hueber, München 1972
Die historische Region Pommern liegt heute in Deutschland und Polen, entlang der Ostseeküste. Der heutige deutsche Teil erstreckt sich von der Odermündung bis zum Saaler Bodden. Die südliche Begrenzung liegt im heutigen Brandenburg auf der Höhe von Schwedt. Im polnischen Teil dehnt sich das Gebiet bis zur Danziger Bucht und im Süden knapp vor Gorzów Wielkopolski/Landsberg an der Warthe und Kostrzyn nad Odrą/Küstrin aus. Die heutige Aufteilung der polnischen Woiwodschaften und der deutschen Bundesländer stimmen nicht genau mit der historischen Region überein.
Der deutsche Name leitet sich aus dem Slawischen ab und bedeutet ‚am Meer‘ (auf Polnisch ‚po morzu‘). Erste Erwähnungen Pommers findet man in Dokumenten aus dem 11. Jahrhundert z.B. in den Schriften des Chronisten Gallus Anonymus oder Reiseberichten von Händlern. Das pommersche Wappen zeigt einen schreitenden roten Greif auf (ehemals) silbernen Grund.
In der Zeit bis zur Völkerwanderung war die Region wahrscheinlich von Germanen besiedelt, die dann Richtung Süden und Südosten zogen. Ab dem 6. Jahrhundert siedelten dort westslawische Stämme z.B. die Ranen und Pomoranen. Die Stämme lebten v.a. vom Fischfang und der Landwirtschaft, trieben aber auch Handel in Skandinavien.
Der stärker werdende Einfluss des Christentums dehnte sich im 10. Jahrhundert von Westen in das noch heidnische Gebiet aus. Außerdem gab es immer wieder kleine Auseinandersetzungen mit den Dänen um die Vorherrschaft an der Küste. Bis zum Ende des 12. Jahrhunderts wurden die Stämme in Pommern nicht nur christianisiert, sondern auch tributspflichtig gegenüber den Sachsen, Polen oder Dänen (je nach Gebiet). Teilweise gliederten die Herrscher pommersche Gebiete auch vollständig in ihren Herrschaftsbereich ein wie z.B. der Piastenfürst Bolesław III oder Heinrich der Löwe aus dem Haus der Welfen.
Die Zuwanderung von deutschen Siedlern in das slawischsprachige Gebiet und die Etablierung einer kirchlichen Infrastruktur trugen maßgeblich zur Assimilation der slawischen Bewohner bei, bis zu Beginn des 15. Jahrhunderts die letzten slawischen Sprachräume verschwanden.
Die Reformation erfasste ganz Pommern. Weltliche Herrscher nutzten die Reformation zur Vergrößerung ihres Einflussbereiches durch Enteignung der Klöster und Entmachtung der Kirchenoberen. Im 30jährigen Krieg wurde die Region durch Truppen beider Seiten geplündert und gebrandschatzt und 1648 zwischen Schweden und Brandenburg aufgeteilt. Doch der Friede währte nur kurz. Die Zugehörigkeit der pommerschen Teile wechselte ständig, der Aufbau einer Wirtschaft und eines Handelsnetz waren dabei fast unmöglich und die Region blieb unterentwickelt. Die großen Städte wie Greifswald, Stettin oder Stralsund waren mehr Festungs- als Handelsstädte.
Im Großen Nordischen Krieg (1700–1721) erstritt sich Preußen Teile des schwedischen Teil Pommerns. Nur langsam konnte in der wirtschaftlich schwachen Region die Landwirtschaft wieder aufgebaut werden, meist durch Landarbeiter, die kaum mehr als Leibeigene waren. Bis weit ins 20. Jahrhundert war die Land- und Fischwirtschaft die Haupteinnahmequelle der Menschen. Pommern verblieb bis auf kleinere Gebiete (u.a. die Städte Bütow/Bytów und Stolp/Słupsk) nach dem Ersten Weltkrieg bei Deutschland.
Die Festlegung Oder-Neiße-Grenze nach 1945 trennte Pommern endgültig in zwei Teile auf. Die deutschen Bewohner des jetzt polnischen Teil Pommerns wurden vertrieben und Polen aus den ehemaligen Ostgebieten (im Polnischen als ‚Kresy‘ bezeichnet) angesiedelt.
Was bleibt, ist die gemeinsame Geschichte Pommerns, die v.a. slawischen Kulturbezüge wie Namen. Seit Mitte der 90er Jahre arbeiten Deutschland und Polen an Projekten, die die ‚Euroregion Pomerania‘ zusammenbringen, z.B. Jugendbildung, Umweltschutz u.v.m. Die Ziele sind einerseits die Stärkung der Region, aber auch der Erhalt des gemeinsamen Erbes.
Quellen
Porada, Haik Thomas. Pommern. In: Online-Lexikon zur Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa. 2014.
Treichel, Peter. 800 Jahre Pommern und seine Nachbarn: Die Geschichte einer Provinz. BoD, 2014
Das Jahr neigt sich schneller dem Ende zu als ich es wahrhaben will! Wo ist die Zeit hin? Und was dieses Jahr alles passiert ist…..
Ich bin, wie eigentlich immer, voller Tatendrang ins Jahr 2023 gerutscht. Ich setzte mir kaum Vorsätze, dafür bin ich zu sehr Realistin. Doch zwei Ziele hatte ich klar vor Augen: Meine Bachelorarbeit und die A2-Sprachprüfung für Niedersorbisch.
Vor allem in der Uni sollte sich 2023 viel verändern. Ich besuchte die letzten Kurse und engagierte mich stark in unserer kleinen Fachschaft, um das studentische Leben in dem kleinen Institut wieder zu beleben. Ich verbrachte viel Zeit in der Uni, in Seminaren und der Bibliothek. Die wurde im Frühjahr mein zweites Zuhause, denn die Suche nach Literatur für die Bachelorarbeit nahm viel Zeit in Anspruch. Das Thema stand und ich las so viel wie noch nie im Studium. Die Abgabe war schon für den Sommer geplant, dauerte aber doch bis zum Herbst, weil ich einfach nicht genug Zeit zum Schreiben fand.
Im September fuhr ich nach Cottbus und legte die A2-Niedersorbischprüfung ab. Niedersorbisch kann man leider in Berlin nicht studieren, es bleibt also bei einem intensiven Hobby. Ich versuche es so oft wie möglich ins Studium zu integrieren.
Trotz der unfertigen Bachelorarbeit bewarb ich mich für das Masterstudium an der Humboldt-Universität (die Bewerbungsfrist lief bis August) und bekam die Zusage. Das spornte mich an die Arbeit noch vor dem Beginn des Masterstudiums fertig zu schreiben und tatsächlich gab ich sie kurz vor Semesterbeginn im Prüfungsbüro ab! Durchschnaufen konnte ich leider nicht, denn das Semester startete und ich hatte mir ziemlich viele Kurse ausgesucht, mal wieder ein typischer Erstsemesterfehler!
Neben dem Studium war ich dieses Jahr auch auf vielen Veranstaltungen z.B. einer Konferenz über Aleksander Brückner oder der Expolingua. Ich lernte dort viele neue Leute kennen und war zu Gast in dem tollen Podcast „Wissen schafft Sprache“ von Verena Hofstätter. Das alles sind erste Schritte zum Aufbau eines Netzwerkes, dass für meine spätere Arbeit nützlich sein wird.
Mein Blog füllte sich immer weiter, die Leserzahlen steigen, all das motiviert mich weiterzumachen. Ich habe durch das Schreiben dieses Jahr wieder so viele neue und spannende Themen aufgestöbert, die ich noch nicht auf dem Schirm hatte. Und immer öfter kann ich Verbindungen zu alten Artikeln ziehen.
Obwohl für mich persönlich alles positiv läuft, mache ich mir trotzdem oft Gedanken um die Zukunft. Vor allem die Geschehnisse weltweit lassen Fragen nach der Sinnhaftigkeit meines Tuns aufkommen. Kann meine Arbeit dazu betragen etwas zu verändern? Eine Frage, auf die ich noch keine Antwort habe.
Trotz allem sehe ich optimistisch ins nächste Jahr! Ich danke allen für die Unterstützung und Lesefreude!
Das Niedersorbische ist eine akut gefährdete westslawische Sprache, die im Süden Brandenburgs gesprochen wird. Die Zahl der aktiven Sprecher*innen geht seit Jahrzehnten zurück, bedingt durch frühere politische Entscheidungen, besonders in der Zeit des Nationalsozialismus, wie öffentliche Sprachverbote, fehlender Schulunterricht und mangelndes Prestige.
Deutschland und die Europäische Union haben sich den Schutz der sogenannten ‚kleinen‘ Sprachen auf ihre Agenda geschrieben und stellen zu deren Schutz große finanzielle Ressourcen bereit. Außerdem gelten für Minderheiten – und Regionalsprachen besondere Regeln zum Sprachgebrauch im öffentlichen Leben. Seit Mitte der 90er Jahre wurden mehrere Schutzabkommen innerhalb der EU verabschiedet, u.a. das Rahmenübereinkommen des Europarates zum Schutz nationaler Minderheiten und die Europäische Charta der Regional- oder Minderheitensprachen. Beide Abkommen gelten länderübergreifend, werden aber von jedem einzelnen Land unterschiedlich umgesetzt. Außerdem haben die Staaten bei Nichtumsetzung keine rechtlichen Konsequenzen zu befürchten.
Deutschland hat sich selbst dazu verpflichtet die Abkommen bestmöglich umzusetzen und erstattet regelmäßig Bericht. Je nach Minderheiten- oder Regionalsprache sind die Maßnahmen bundesweit oder auf einzelne Bundesländer beschränkt. Beim Niedersorbischen beschränkt sich der Maßnahmenkatalog auf das Bundesland Brandenburg, dem Siedlungsgebiet der Niedersorben.
In der Brandenburgischen Verfassung ist der Schutz des Niedersorbischen mit einem eigenen Abschnitt geregelt. Darin sind alle Rechte des sorbischen Volkes festgehalten. Dazu zählen z.B. die Führung eines sorbischen Namens, Unterricht in niedersorbischer Sprache und freie Ausübung der Sprache auf Ämtern oder vor Gericht. Außerdem gibt es den Rat für sorbische Angelegenheiten, kurz Sorbenrat, der die Interessen der Sorben im brandenburgischen Parlament vertritt.
Seit der Einführung der Schutzmaßnahmen hat sich die Zahl der Sprecher*innen jedoch nicht merklich erhöht, ist aber auch nicht gesunken. Jetzt kann man argumentieren, dass in den letzten 25 Jahren noch keine Steigerung zu erwarten sei, denn die neuen Sprecher*innen müssen ja erst heranwachsen.
Genau diesem Bereich, der Ausbildung von Muttersprachler*innen, widmet sich das wichtigste Projekt im sorbischen Raum, das Witaj-Projekt. Es arbeitet nach DIWAN-Modell der bretonischen Minderheit, die durch alle Bildungsinstanzen die bretonische Sprache vermitteln. Die Sorben, Ober-wie Niedersorben, haben ein bilinguales Bildungssystem von der Kita bis zum Schulabschluss aufgebaut. Schon die Kleinen erlernen, wenn nicht im Elternhaus, in der Kita die sorbische Sprache nach dem Ansatz der vollständigen Immersion. Die Nachfrage ist, auch bei den nicht-sorbischsprachigen Eltern, seit dem Projektstart stark gestiegen, sodass Brandenburg jetzt vor dem allgegenwärtigen Fachkräfteproblem steht. Auch in den Schulen fehlt es an Personal, dass die sprachlichen Qualifikationen mitbringt. Der Rechtsanspruch auf einen Schulplatz mit Sorbischunterrricht wird mittlerweile von Eltern auch eingeklagt, Schulschließungen sind dadurch schon mehrfach verhindert worden.
Um genug Personal im Bildungsbereich zu generieren, gibt es zahlreichen Weiterbildungsangebote für Erzieher*innen, Lehrkräfte etc. Doch das alles braucht Zeit, was Chancen verstreichen lässt. Von den sorbischen Interessensverbänden wird auch die mangelnde universitäre Ausbildung für Berufe mit niedersorbischem Profil beanstandet. Studierende, die Niedersorbisch auf Lehramt studieren wollen, müssen die Niederlausitz verlassen und in Leipzig studieren, weil Brandenburg keine eigenen Sorbisch-Lehrer*innen ausbildet, vermutlich aus Kostengründen. Die Berufsaussichten für Sorbisch-Lehrer sind heute so gut wie noch nie, es werden alle Absolvent*innen aus Leipzig in Brandenburg eingestellt. Doch die Attraktivität des Berufes bzw. des Studiums würde noch mehr steigen, wenn die Studenten in ihrer Heimat bleiben könnten. Die sprachliche Qualifikation von Fachlehrern, z.B. in den Naturwissenschaften, wurde bis vor wenigen Jahren von der Uni Potsdam gewährleistet, d.h. dass die Lehrer ohne Niedersorbischkenntnisse eine Art Aufbaustudium absolvieren konnten, um ihre Fächer in Niedersorbisch unterrichten zu können. Auch dafür kommt jetzt nur noch die Uni in Leipzig in Frage.
Doch warum schafft es Brandenburg nicht eine eigenen ihrer Universitäten für die Ausbildung der Niedersorbischlehrkräfte umzurüsten?
Neben dem Bildungsbereich fließen auch viele Mittel in den Kultur- und Verwaltungsbereich. Unter anderem sollen alle digitalen Verwaltungsvorgang in deutscher und niedersorbischer Sprache möglich sein, das garantiert das 2018 in Kraft getretene Brandenburgische E-Government-Gesetz.
Man kann sich zu recht fragen, warum solche kostspieligen Maßnahmen ergriffen werden, wo doch alle Sorben auch deutsch sprechen und in ihrem Alltag nicht auf das Sorbische angewiesen sind? Aus wirtschaftlicher Sicht ist das absolut richtig. Doch Deutschland und auch Europa verstehen sich als vielfältige Gemeinschaft und wollen allen Minderheiten die Partizipation in jeder Hinsicht, also auch sprachlich, ermöglichen. Und man kann schließlich nicht einfach nach Größe oder Prestige einer Minderheit selektieren, das widerspreche dem Gleichberechtigungsgrundsatz. Ein anderer Grund für diese Haltung ist das historische Erbe der jahrhundertelangen Unterdrückung der Minderheiten, nicht nur in Deutschland.
Vielfalt ist ein Weg zu mehr Toleranz untereinander, doch dieser Weg ist noch lang und arbeitsintensiv!
Quellen
BMI (Bundesministerium des Inneren, für Bau und Heimat). 2019. „Fünfter Bericht der Bundesrepublik Deutschland gemäß Artikel 25 Absatz 2 des Rahmenübereinkommens des Europarats zum Schutz nationaler Minderheiten“.
Spieß, Gunter. 2004. „Niedersorbisch“. In Lexikon der Sprachen des europäischen Ostens, herausgegeben von Miloš Okuka und Gerald Krenn. Bd. 10. Klagenfurt/Celovec: Wieser Verlag.
In den letzten Jahrzehnten hat sich die Linguistik durch technische Neuerungen unfassbar schnell und qualitativ super entwickelt. Man könnte meinen, wir wüssten alles über Sprache und ihre Verwendung. Doch es gibt noch einige weiße Flecken im linguistischen Kosmos. Einer davon ist das Voynich-Manuskript.
Das Voynich-Manuskript gibt den Forschern bis heute Rätsel auf, denn es ist in einer unbekannten Schrift verfasst worden und beinhaltet Zeichnungen, die man nicht zuordnen kann. Die Faszination des Voynich-Manuskripts hält seit langer Zeit an und wird sich mit der Entschlüsselung (wann auch immer) sicher nicht brechen lassen.
Seinen Namen bekam das Manuskript durch Michał Habdank-Wojnicz (dt. Wilfrid Michael Voynich), einem polnischen Antiquar, der es 1912 in Italien kaufte.
Das Manuskript selbst gibt keinen Aufschluss auf sein Alter oder Herkunft. Forscher haben jedoch das Papier und die Farben untersucht, dessen Alter sie auf Anfang bis Mitte des 15. Jahrhunderts datierten. Auch die Zeichnungen geben in ihrer Art und Weise Hinweise auf diesen Zeitraum mit ein wenig Spielraum ins 16. Jahrhundert (es war üblich Pergament mehrfach zu verwenden).
Viel schwieriger als das Alter, ist die Bedeutung der Schrift und der Zeichnungen zu ergründen. Die Zeichnungen zeigen verschiedene Motive z.B. Tiere, Pflanzen, Sterne oder Planeten und Menschen, meist Frauen in Gruppen. Manche Zeichnungen können echten Tieren oder Gegenstände entsprechen, jedoch weisen besonders die Pflanzen Merkmale auf, die sich von den uns bekannten Pflanzen unterscheiden. Die oft wie Rezepte aussehenden Kombinationen von Pflanzen, Gerätschaften und Text lassen die Vermutung aufkommen, dass es sich um eine pharmakologische Sammlung handelt. Die Reihenfolge der Seiten und ihre Einteilung lassen auf eine systematische Ausarbeitung schließen z.B. ein Lehrwerk.
Auch linguistischer Sicht sind vor allem die Schrift und die dazugehörige Sprache besonders interessant. Auf den ersten Blick erscheint die Schrift zwar fremd, aber mit einer Alphabetschrift verwandt. Die Schriftrichtung von links nach rechts und die Sektion von scheinbaren Wörtern ähnelt den gängigen Schriften mit lateinischen oder kyrillischen Buchstaben. Die gleichmäßige Schrift legt die Vermutung nahe, dass der Verfasser ein geübter Schreiber war.
Die Buchstaben bzw. Schriftzeichen, oft ist es unklar ob ein Zeichen nicht eine ganze Silbe repräsentiert, sind nicht abschließend erforscht. Je nach Zählweise gibt es 20 bis 30 Buchstaben/Zeichen, die in unterschiedlicher Verteilung vorkommen. Es gab schon viele Versuche das Alphabet zu decodieren, bis jetzt nicht zufriedenstellend. Die Buchstabenverteilung innerhalb der Wörter richtet sich scheinbar nach den Sprachgesetzen natürlicher Sprachen z.B. kommen einige Wörter überall vor wie Funktionswörter, andere nur an bestimmten Stellen wie Inhaltswörter (Zutaten, Fachwörter etc.). Doch trotz dieser Ähnlichkeiten ist eine Entschlüsselung noch nicht in Sicht.
Ein anderer Versuch die Herkunft des Manuskriptes nachzuvollziehen, war die Rekonstruktion der Vorbesitzer. Bis heute kursieren mehrere Theorien, aber keine ist stichhaltig. Manche bahaupten auch, dass das Manuskript nicht entschlüsselbar sei, weil die Sprache und die Abbildungen freie Erfindungen sind. Wie wahrscheinlich ist es aber, dass sich eine Person solche Mühe macht, nur für einen Scherz?
Michał Habdank-Wojnicz hat Kopien an viele Fachleute, mit der Bitte um Entschlüsselung, geschickt. Kryptologen, Biologen und viele andere Fachdisziplinen arbeiteten, meist getrennt voneinander, stellten ihre Thesen vor, aber keiner konnte eine sinnvolle und umfassende Entschlüsselung liefern.
Der Bekanntheitsgrad und das Interesse am Voynich-Manuskript steigen mit jeder Veröffentlichung, die digitalen Medien machen allen den Zugang möglich. Auch die Kulturszene fand Interesse am Manuskript, wobei nicht unbedingt die Entschlüsselung im Vordergrund steht.
Solange nicht absolut klar ist was das Manuskript ist und von wem es stammt, werden sich Interessierte und Wissenschaftler daran versuchen.
Quellen
Pache, Vera & Schmeh, Klaus. Das Voynich Manuskript, Gesamtdarstellung aller Tafeln der geheimnisvollen illuminierten Handschrift. Favoritenpresse, Berlin 2022
Roitzsch,Erich H. Peter. Das Voynich-Manuskript. Ein ungelöstes Rätsel der Vergangenheit. Verlags-Haus Monsenstein und Vannerdat, Münster 2008
Berlin ist ein Schmelztiegel der Kulturen und Sprachen. Passend dazu fand an diesem Wochenende (Freitag und Samstag) die Expolingua statt, ein Event rund um das Thema Sprachen und Sprachbildung.
Ich war das erste Mal dabei und konnte den ganzen Tag durch die Ausstellungshalle schlendern, mit den Ausstellern ins Gespräch kommen, Sprachspiele ausprobieren und allerlei nützliche Kontakte knüpfen. Parallel zu den Ausstellungen gab es Vorträge zu allen möglichen Themen.
Der Expo-Tag begann um 10 Uhr, die Aussteller richteten noch ihr Infomaterial, die ersten Leute trudelten ein. Ich ging erstmal eine große Runde durch die beiden Hallen, sie waren etwas verschachtelt. Um 10.30 besuchte ich einen Schupperkurs Arabisch, nicht weil ich unbedingt Arabisch lernen möchte, sondern einfach aus Neugier. Die kehligen Laute des Hocharabischen fielen mir schwerer als gedacht, aber wir lernten uns vorzustellen und haben viel gelacht.
Im Anschluss gings sofort in den nächsten Vortag, ein Einblick in die Plansprache Ido. Hervorgegangen aus der Plansprache Esperanto ist Ido zwar einfacher zu lernen, hat aber gegen den ‚großen Bruder‘ kaum eine Chance.
Zukunftsweisend war der Vortrag der Universität des Saarlandes, der sich mit dem Übersetzen in Zeiten von KI beschäftigt. Die Referenten demonstrierten die Stärken und Schwächen der heutigen KI-Übersetzungstools und zogen das Fazit, dass momentan noch keine Maschine so gut übersetzt wie ein Mensch. Ob das so bleibt, ist natürlich fraglich.
Danach nutze ich eine Pause zwischen meinen geplanten Vorträgen und besuchte einige Stände. Der wichtigste für mich war natürlich der Stand der Stiftung für das sorbische Volk. Nach einem ‚Dobry źeń‘ kamen wir sofort ins Gespräch. Wir sprachen vor allem über die Literaturbestände in der Bibliothek in Cottbus und die derzeitigen Bemühungen zur Revitalisierung des Niedersorbischen. Ich denke, mein nächster Besuch im Wendischen Haus wird wohl nicht mehr lange warten können, die Bibliothek dort ist einfach zu verlockend.
Gleich nebenan besuchte ich den Stand von TANDEM – Koordinierungszentrum Deutsch-tschechischer Jugendaustausch. Es gab lustige Sprachspiele und ich konnte ein paar Worte Tschechisch sprechen, was ich sonst im echten Leben wegen fehlender Gelegenheiten kaum schaffe.
Viel Zeit zum Schwatzen blieb auch nicht, denn der nächste Vortag wartete: Esperanto. Beim Zuhören hatte ich das Gefühl, dass das Lernen von Esperanto sich vielleicht doch mal lohnen würde. Esperanto kommt auf die Liste der ‚wenn ich irgendwann mal Zeit habe‘.
Neben Sprachreiseanbietern und Sprachschulen gab es auch viele Aussteller, die sich mit neuen Methoden und Hilfsmitteln zum Sprachenlernen beschäftigen. Wer gerne mit Apps lernt, hat die Qual der Wahl. Ich freue mich besonders, dass auch die kleinen Sprachen wie z.B. Kornisch oder Jiddisch immer mehr Interesse bei den Lernenden wecken. Die Vielfalt der Sprachen, die früher negativ gesehen wurde, ist heute eine Selbstverständlichkeit und wird immer mehr gefördert.
Für mich ebenso interessant waren Aussteller, die potenzielle Arbeitgeber für Sprachbegeisterte sein können. Der Bedarf an Übersetzern, Dolmetscher u.a. Fachkräften ist enorm hoch. Für viele Studierende, die noch keine genaue Vorstellung für ihren beruflichen Weg nach dem Studium haben, gab es viel Input.
Der letzte kleine Workshop, den ich besucht habe, war die Sprachanimation von TANDEM. Das Konzept soll Interesse wecken und Sprachhemmungen abbauen, besonders bei Sprachen, die Deutschsprechenden als sehr schwierig vorkommen.
Am späten Nachmittag fuhr ich mit platten Füßen, aber viel Material und Ideen wieder nach Hause. Das nächste Jahr werde ich bestimmt wiederkommen!
Menschen finden immer Wege, um zu kommunizieren. Wollen oder müssen Menschen mit unterschiedlichen Sprachen miteinander sprechen, kommt es häufig zu einer Vermischung und es kann eine Pidginsprache entstehen, eine Art Hilfssprache mit begrenzter Grammatik und Wortschatz. Wird diese Pidgin an die nächste Generation weitergegeben, entsteht daraus eine Kreolsprache. Das bekannteste Beispiel ist Haitianisch-Kreolisch.
Das auf dem Deutschen beruhende Unserdeutsch ist eine weniger bekannte Kreolsprache. Sie wird in Papua-Neuguinea und Australien gesprochen, allerdings gibt es kaum noch mehr als 100 L1-Sprecher*innen.
Unserdeutsch entstand zu Beginn des 20. Jahrhunderts in der deutschen Kolonie Deutsch-Neuguinea, im Zuge der Beschulung der dort lebenden Kinder, die aus Mischbeziehungen zwischen den indigenen Frauen und europäischen Männer stammten. Die Kinder lebten in Internaten, getrennt von ihren Familien. Der Unterricht fand auf Deutsch statt, obwohl die Mehrheit der Kinder die Kreolsprache Tok Pisin sprach. Deren Gebrauch war aber verboten. Die Kinder nutzten unter sich daher eine vereinfachte Form des Deutschen. Der Wortschatz stammte meist aus dem Deutschen, die Grammatik lehnte sich aber stark ans Tok Pisin an.
Die so neu entstandene Pidginsprache gaben die Kinder im Erwachsenenalter an ihre Kinder weiter, was durch die forcierte Verheiratung der ersten Generation der Unserdeutsch-Sprechenden zustande kam. Diese Gruppe blieb unter sich, eine Mischung mit anderen wurde von der deutschen Kolonialmacht nicht geduldet. Die Kinder erlernten Unserdeutsch als L1-Sprache, bauten den Wortschatz und das grammatische System aus. Ab diesem Zeitpunkt spricht man von einer Kreolsprache.
Durch die Ereignisse des I. Weltkrieges verlor Deutschland zwar die Kolonie Deutsch-Neuguinea, jedoch blieben die Schulen erhalten und auch der Unterricht fand weiter statt, jedoch neben der offiziellen neuen Amtssprache Englisch. Nach 1945 wurden die Schulen geschlossen, die Verwendung der deutschen Sprache blieb nur als Familiensprache erhalten. Die Unabhängigkeit Papua-Neuguineas 1975 verschärfte die Situation der Unserdeutsch-Sprecher*innen abermals. Als Angehörige einer „gemischten Rasse“ wurden sie nicht als vollwertig angesehen. Viele wählten die Emigration nach Australien, was die Sprecher*innenzahl dort erklärt. Dort dominierte das Englische, sodass Unserdeutsch immer weiter an Bedeutung verliert.
Obwohl die Kinder in den Schulen sowohl Standarddeutsch sprechen, lesen und auch schreiben lernten, sprachen sie untereinander das vereinfachte Unserdeutsch. Das erklärt aber auch den systematischen Ausbau zu einer Kreolsprache innerhalb einer oder zwei Generationen.
Phonologisch gibt es einige Unterschiede zum Standarddeutschen: Die langen Vokale sind weggefallen, ebenso wie die Umlaute [ʏ] und [ø] (ü + ö) und die Veränderung der reduzierten Vokale in Nebensilben. Außerdem fallen die meisten Affrikaten wie [pf] oder [ts] mit anderen Frikativen wie [f] oder [s] zusammen.
Unserdeutsch verfügt über vereinfachte Flexionsparadigmen, Fehlen der meisten Kasusendungen und auch die drei Genera sind ans Tok Pisin bzw. Englischen angelehnt. Die Verben werden kaum gebeugt und das Tempus mit Adverbien realisiert. Die meistgenutzte Wortstellung ist Subjekt-Prädikat-Objekt, unabhängig vom Satztyp. Der Wortschatz von Unserdeutsch ist im Vergleich zum Standarddeutschen klein, gemischt mit Anteilen des Tok Pisin.
Das linguistische Interesse hielt sich lange Zeit in Grenzen, jedoch werden in den letzte Jahrzehnten vermehrt Korpusdaten gesammelt, denn die wenigen Sprecher*innen sind alle höheren Alters. Unter anderem arbeitet das Leibniz-Institut für Deutsche Sprache in Mannheim an der Dokumentation des Unserdeutschs.
Quellen
Lindenfelser, Siegwalt. Kreolsprache Unserdeutsch: Genese und Geschichte einer kolonialen Kontaktvarietät. De Gruyter, 2021
Maitz, Péter. Unserdeutsch (Rabaul Creole German). Eine vergessene koloniale Varietät des Deutschen im melanesischen Pazifik. In: Alexandra N. Lenz (Hrsg.): German Abroad – Perspektiven der Variationslinguistik, Sprachkontakt- und Mehrsprachigkeitsforschung. V&R unipress, Göttingen 2016
In vielen Sagen und Legenden wird von Wesen berichtet, die zusammen mit den Menschen deren Häuser bewohnen: Hausgeister. In vielen Ländern sind Hausgeister allgegenwärtig, wir finden sie auch in Geschichten oder Redewendungen.
Wo der Glaube an Hausgeister herkommt, ist nicht genau geklärt. Eine mögliche Herkunft könnte der Ahnenkult sein, denn viele Menschen wurden in der Nähe ihres Hauses oder sogar im Fußboden desselben begraben.
Hausgeister sind den Menschen normalerweise wohlgesonnen, helfen bei Schwierigkeiten im Haus oder Hof wie die berühmten Heinzelmännchen. Manche Hausgeister schützen den Herd oder den Stall, andere sind für ‚alles‘ zuständig. Das erinnert ein wenig an den Vielgötterglaube der Römer oder Griechen, deren Götter auch bestimmte Zuständigkeiten haben.
Die Geister leben oft in Verstecken wie hinter dem Ofen oder unter dem Holzfußboden. Sie bevorzugen dunkle und geschützte Orte, denn sie meiden direkte Zusammentreffen.
Obwohl sie sich den Hausbewohnern nicht oft zeigen, gibt es zahlreiche Beschreibungen und Bilder. Hausgeister werden oft als menschenähnlich beschrieben, mal mit gebückten Rücken und dunkler Kleidung, mal als in weißgekleidete große Gestalten, mal männlich, mal weiblich, je nach Region. Mitunter erkannten die Menschen in ihnen auch Gesichtszüge von verstorbenen Verwandten wieder.
Das Zusammenleben der Menschen mit den Geistern folgt immer bestimmten Regeln. Die Hausbewohner behandeln den Hausgeist mit Respekt und stellen sie ihm Nahrung wie Milch, Honig oder Brot hin, und im Gegenzug wacht er über das Haus, die Tiere oder die Gesundheit der Bewohner. Verletzen die Bewohner die Regeln und verärgern den Hausgeist, kann er ihnen Schaden zufügen z.B. Lebensmittel verderben lassen, ihren Schlaf stören oder ihnen andere böse Geister auf den Hals hetzen.
Hausgeister sind an das jeweilige Haus gebunden, das spricht für die Theorie, dass Hausgeister in Verbindung mit dem Ahnenkult stehen. Ziehen irgendwann neue Bewohner ein, wurde sie gebeten gut für den Geist zu sorgen, um selber in Frieden in diesem Haus wohnen zu können.
Die Namen der Hausgeister sind so verschieden wie ihre Aufgaben. Man kennt die gutmütigen als Domowik, Domovoy, Kobolde, Heinzelmännchen, Drak, Geldmännlein, Wichtel oder Gumiennik. Die bösen Geister, oft als Dämone bezeichnet, kennt man z.B. als Strzyga, Poltergeist, Bebok, Nachtalb, Kikimora, Bannik usw. Sie quälen die Hausbewohner mit Schabernack, bringen Albträume oder fügen dem Vieh Schaden zu.
Der Glaube an Geister jeglicher Art geht auf heidnische Glaubensrichtungen zurück, die verschiedenste Götter oder magische Wesen für alle Lebensbereiche kannten. Mit dem Christentum wurde der Glaube an vielerlei Götter zwar zurückgedrängt, aber die tiefverwurzelten Legenden wurden weitererzählt und spielen im Leben der einfachen Leute bis heute eine große Rolle.
Die Existenz dieser Wesen wird innerhalb der Familie oft als Regelwerk genutzt: Tu dies nicht, sonst…. Als Kind ist man für derartige Dinge sehr empfänglich und hinterfragt erst später die Glaubwürdigkeit. Früher konnten die Menschen sich so viele Dinge erklären, auch wenn wir heute darüber lächeln. Doch ein wenig Aberglaube steckt in jedem von uns!
Quellen
Kempiński, Andrzej. Encyklopedia mitologii ludów indoeuropejskich. Iskry, Warszawa 2001
Zdeněk, Váňa. Mythologie und Götterwelt der slawischen Völker. Urachhaus, Stuttgart 1993
Ich bin in Berlin geboren und aufgewachsen. Bei mir zu Hause wurde nur Deutsch gesprochen und ich hatte nur deutschsprachige Freunde. Damals habe ich das für das Normalste der Welt gehalten. Doch eigentlich ist diese Einsprachigkeit weltweit gesehen eher die Ausnahme als die Regel.
Heute ist mein Leben voller Sprachen, nicht nur in meinem Kopf. Sprachen sind ein Teil von mir geworden.
Als Kind habe ich in der Schule ab der fünften Klasse Englisch gelernt, nicht mit besonderer Lust und nur mit mäßigem Erfolg. Das kennen sicher viele Schüler und Schülerinnen. Doch dabei ist Motivation beim Sprachen lernen der Schlüssel zum Erfolg.
Die Leidenschaft für Sprachen kam so richtig zum Vorschein als ich anfing Polnisch zu lernen. Das tat ich aus Lust am Lernen, ohne Notendruck. Und genau diese Motivation half mir durch die erste Zeit des Lernens, denn für mich ist der Anfang immer am schwersten. Ich neige dazu sehr verbissen an eine neue Aufgabe heranzugehen. Dann ordne ich dieser Aufgabe alles andere unter. Hört sich nicht nur so an, ist auch eher ungesund und vermiest die Laune.
Erst im Laufe der Zeit und nach mehreren Versuchen Polnisch gut sprechen und verstehen zu können, habe ich verstanden, dass der Weg das Ziel ist. Jeder kleine Schritt des Lernens soll Freude machen und weiter motivieren.
Vor dem Studium habe ich noch das Latinum gemacht, rein aus Interesse und als eine Art Probe, ob ich gut selbstständig arbeiten kann. Latein brauche ich nicht unbedingt im Studium, aber es ist oft gut schon mal etwas davon gehört zu haben.
Mittlerweile lerne ich viele Sprachen, manche an der Uni, andere in meiner Freizeit. Neben Polnisch habe ich an der Uni auch Kurse für Tschechisch und Ukrainisch belegt, da mein jetziges Studienfach ‚Slawische Sprachen‘ mindestens zwei slawische Sprachen als Pflichtkurse fordert. Als vierte slawische Sprache lerne ich Niedersorbisch. Der Grund ist natürlich das Interesse an dieser gefährdeten Sprache und die Nähe des Sprachgebietes.
Als weitere, diesmal romanische Sprache versuche ich mich an Rumänisch, was ich aufgrund von Zeitmangel nur in Minischritten lerne, aber irgendwann wieder intensivieren möchte. Eigentlich möchte ich noch so viele andere Sprachen lernen: Ungarisch und Jiddisch stehen dabei ganz oben auf meiner Wunschliste. Aber auch baltische Sprachen wie Litauisch oder Lettisch reizen mich sehr. In Berlin gibt es für fast alles Kurse, man braucht nur Lust und Zeit.
Wo die Grenze liegt, vor allem für meine Neugier, keine Ahnung. Ich denke, jede neue Sprache verändert mich, macht etwas mit mir und zeigt mir neue Wege. Das ist weniger philosophisch als es sich anhört….Viele Sprachenlernende beschreiben dieses Gefühl.
Ich bin ehrlich, Sprachen lernen ist eine Sucht. Immer ist man auf der Suche nach der nächsten coolen Sprache, die ungewöhnliche Sprachstrukturen aufweist, oder einfach nur aus einer anderen Sprachfamilie stammt. Wir können heute durch die Digitalisierung alle Sprachen kennenlernen, ohne einen Fuß vor die Tür setzen zu müssen. Oder wir setzen uns in das nächste Flugzeug oder den Zug und reisen dorthin, um die Sprache live zu erleben.
Also lasst uns jeden Augenblick mit Sprachen füllen! Egal welche und egal wie gut wir sie können…..