
In der slawischen Götterwelt leben viele Gottheiten, mitunter unterschieden sie sich auch regional. Die Pomoranen, ein westslawisches Volk, verehrten zum Beispiel einen dreiköpfigen Gott: Triglaw.
Da die Pomoranen haben keine Aufzeichnungen über ihre Götter hinterlassen, also beziehen sich die Überlieferungen auf Erwähnungen anderer wie Mönchen auf Missionierungsreisen. Daher sind solche Beschreibungen mit Vorsicht zu genießen, weil sie oft abwertend formuliert wurden.
Während des Wendekreuzzuges zur Christianisierung der Slawen im 12. Jahrhundert wurden Kultplätze und Statuen der slawischen Götter zerstört, was nicht für eine wohlwollende Dokumentation der heidnischen Kultur spricht. Auch nicht, dass die Schätze wie Silber- und Goldskulpturen etc. aus dem Tempel geraubt und wahrscheinlich nach Rom geschickt wurden, wo sich die Spur verliert. An den ehemaligen Kultorten wurden dann Kirchen gebaut.
Die Pomoranen lebten an der Ostseeküste, wahrscheinliche zwischen der Oder- und Weichselmündung im heutigen Polen. Dort lag auch das Zentrum der Triglaw-Verehrung, der wichtigste Tempel im heutigen Stettin, von den heute aber nichts mehr zu sehen ist. Auch andere kleinere Kultorte in Wollin und Brandenburg sind überliefert.
Der Name ‚Triglaw‘ beschreibt das Aussehen des Gottes ziemlich treffend: slawisch tri – drei und glaw- Kopf, also der Dreiköpfige. In verschiedenen Abbildungen und den wenigen (modernen) Skulpturen wird Triglaw immer mit drei Köpfen oder Gesichtern dargestellt. Seine Köpfe repräsentieren die Erde, den Himmel und die Unterwelt, was für einen sehr mächtigen Gott spricht. Interessant ist die Zahl Drei als wichtiges Element, was den slawischen Gott mit dem Christentum verbindet, auch wenn beides nichts miteinander zu tun hat.
Es wird beschrieben, dass die Statue von Triglaw meist verhüllt wurde und nur an bestimmten Tagen oder Ritualen seine Gestalt zeigte. Nähere Hintergründe sind spekulativ.
Als Krieggott wurde Triglaw nach den Schlachten ein Teil der Kriegsbeute geopfert, auch zur Erhaltung des Tempels waren Opfergaben nötig. Bis weit ins späte Mittelalter gab es Menschen, die trotz Christentum die alten Bräuche pflegten und Triglaw huldigten, was in einigen Quellen berichtet wird.
In Westpommern liegt das Dorf Trzygłów, wahrscheinlich nach Triglaw benannt, wofür auch die geografische Nähe spricht. Das Bild des Triglaw stammt aus dem Schloss im Ort.
Im slowenischen Raum gibt es heute noch einen Berg, der Triglaw genannt wird. Ob es etwas mit der Gottheit oder einfach mit der Form der Berges zu tun hat, ist nicht geklärt. Es kann bezweifelt werden, dass der Triglawkult bis über die Alpen gelangt ist.
Quellen
Grimal, Pierre. Mythen der Völker III. Fischer Bücherei. Hamburg 1963
Váňa, Zdeněk. Mythologie und Götterwelt der slawischen Völker, Stuttgart 1992
Bild: Von Bodow – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=64851128









