Niedersorbisch als Geld- und Ressourcenverschwendung?

Der Kompaktkurs in Cottbus hat in diesem Jahr mal wieder einen neuen Rekord aufgestellt: 108 Menschen haben sich angemeldet, um Niedersorbisch zu lernen!

Als Teil der sorbischen Gemeinschaft war ich natürlich auch dort und habe eine anstrengende, lustige und lehrreiche Woche in Cottbus verbracht. Die meisten kennen sich untereinander, das Wiedersehen am Montagmorgen ist immer eine Freude. Der Unterricht in den jeweiligen Gruppen richtet sich nach den Sprachkenntnissen der Teilnehmenden, die Lehrkräfte können uns nach kurzer Zeit sehr gut einschätzen.

Welche Motivation die Leute zum Kurs treibt ist ganz verschieden, aber die meisten kommen immer wieder! Es ist nicht nur das Lernen an sich, sondern das Gefühl der Gemeinschaft. Uns verbindet die Sprache, obwohl wir aus so unterschiedlichen Regionen und Arbeitsbereichen kommen.

Wie jedes Jahr stand auch wieder der RBB (Rundfunk Berlin-Brandenburg) bereit, um diese Stimmung einzufangen. Die Berichterstattung verbreitet sich über Radio, Fernsehen und Internet. Und wie sollte es anders sein, die Kommentarspalten waren voller Leute, die den Kurs oder generell die Revitalisierungsbestrebungen für sinnlos, Geldverschwendung oder ähnliches halten!

Keine Ahnung, warum in dieser Hinsicht so viel Ignoranz herrscht, aber wer einmal begriffen hat, dass das Sorbische ein fester Bestandteil der Lausitz ist und die Sprache eine Teil der Identität aller Sorben und Sorbinnen, wird sich diese Frage kaum noch stellen.

Unser Land hat, zumindest auf dem Papier, verstanden welchen wichtigen Beitrag die Minderheiten und ihre Sprachen zur Erhaltung und Förderung der Demokratie leisten. Menschen haben ein Recht auf ihre Sprache, da darf Geld oder politische Engstirnigkeit keine Rolle spielen. Und ganz nebenbei: Die Ausgaben für die Minderheitenförderung ist im Vergleich zu anderen Bereichen verschwindend gering.

Neuste Bemühungen, z.B. einen neuen Lehramtsstudiengang für Sorbisch in Brandenburg zu etablieren, braucht nun mal ein bisschen Geld und Schweiß. Die Vorteile liegen klar auf der Hand: Das Bundesland bildet eigene Lehrkräfte aus, die ihr Wissen weitergeben und die Studierenden müssen ihre Heimat für das Studium nicht verlassen.

Andere Kommentare argumentieren, dass Sorbisch eine ähnlich tote Sprache wie Latein sei. Diese zu lernen hätte ebenfalls keinen praktischen Nutzen. Dagegen steht der Fakt, dass Lernende von Fremdsprachenkenntnissen, besonders Latein, in Fächern wie Mathematik und Deutsch davon profitieren. Ähnliche Daten zeigen sich bei Studien des Witaj-Sprachenzentrums. Diese zeigen, dass die Leistungen von sorbischlernenden Grundschulkindern in den Fächern Mathe und Deutsch besser sind als die von nicht-sorbischlernenden Kinder, was schon bemerkenswert ist.

Für mich gibt es kein einziges Argument gegen das Lernen der sorbischen Sprache! Falls du das anders siehst, schreib gerne (sachlich!) in die Kommentare!

Quellen

https://ids-pub.bsz-bw.de/frontdoor/index/index/docId/13632

https://www.rbb24.de/kultur/beitrag/2026/07/brandenburg-cottbus-intensivkurs-sorbisch-erwachsene-teilnahme-rekord.html

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