Regionen- mehr als Geografie?

Wir alle kennen den Begriff Region aus Schule und den Medien. Doch was bedeutet dieser Begriff eigentlich?

Der Wortbegriff Region geht auf das Lateinische zurück (regere- dt. leiten) und wurde früher vor allem im Sinne der Verwaltung verwendet. Heute vereint der Begriff viel mehr als eine geografische oder administrative Bedeutung. Die Geschichte einer Region lässt sich nicht in der reinen Geografie beschreiben. Dazu gehört auch ihre Sprache, Bräuche, Trachten und und und……vor allem die Menschen. Erst durch die Menschen, die diese Region ihre Heimat nennen, wird sie mit Leben gefüllt.

Identität und Region gehen in vielen Fällen Hand in Hand, ungeachtet ob natürlichen oder politischen Grenzen dies erschwerten. Geschichtlich ist das keine Seltenheit, wie wir noch sehen werden.

Jede Region ist, politisch gesehen, einem Staat untergeordnet, manchmal auch zwei oder drei Staaten. Das ist mehrheitlich eine politische Entscheidung, die Menschen der jeweiligen Region werden so gut wie nie nach ihrer Meinung gefragt. Ein gutes Beispiel ist die Politik Preußens in Elsass-Lothringen nach dem deutsch-französischen Krieg 1871, die im Zuge des ‚Frankfurter Friedens‘ der (auch französischen) Bevölkerung das Ultimatum stellt entweder ins französische Gebiet auszusiedeln oder die deutsche Staatsbürgerschaft anzunehmen, was mit einer starken Germanisierungstendenz der Politik einher ging. Den Menschen blieb also die Wahl zwischen dem Verbleib in der Heimat mit Identitätsverlust oder dem Heimatverlust mit schleichendem Identitätsverlust aufgrund der Assimilation an die neue „Heimat“. Wie soll man sich da entscheiden?

Unabhängig von der Identitätsfrage, hängt dem Begriff ‚Region‘ oft auch etwas Provinzielles an, fern der großen Metropolen, die schnell wachsen und die Mode diktieren. Doch genau dieser Schnelllebigkeit und Anonymität der Metropole entgeht eine Region, die in der Zeit stillzustehen scheint. Das Leben bleibt kleiner, langsamer, naturverbundener, traditioneller, aber nicht im Sinne der Rückständigkeit. Das regionale Leben setzt sich vom Leben in der Metropole ab, ist anders, ohne es zu werten.

Ich würde mal mutig behaupten, dass das Leben in der Stadt, in der Anonymität, für viele Menschen eine Möglichkeit ist anders als es erwartet wir. In einer kleineren Gemeinschaft oder auf dem Dorf kennt man sich, man wird in eine feste kulturelle Umgebung geboren, mit der sie sich (wahrscheinlich, aber nicht immer) identifizieren kann. Der Ort, an dem man aufwächst, erfüllt wichtige Funktionen der Identitätsfindung.

Wir alle kennen solche Regionen, in jedem Land gibt es sie, meist verbunden mit bestimmten Narrativen. Diese Narrative werden über Generationen entwickelt und weitergegeben. Schließlich prägen sie das Verständnis der Region und schaffen eine Identität der Region selbst. Die Menschen in der jeweiligen Region werden mit ihr assoziiert und bilden eine Einheit.

Wird diese Einheit aus verschiedensten Gründen gestört, können Konflikte entstehen. Oftmals in der Geschichte waren Kriege oder neue Grenzziehungen einer der Hauptgründe. Dabei wurde meistens die Bevölkerung vertrieben oder umgesiedelt, die Vertriebenen sehen sich zurück und haben Probleme sich in ihrer neuen Umgebung heimisch zu fühlen.

Ein Beispiel dafür ist Schlesien bzw. die Schlesier (hier sind die deutschstämmigen Schlesier gemeint), die noch heute ihre schlesischen Traditionen fern ab der Heimat pflegen. Zwar werden die nächsten Generationen Schlesien nicht mehr mit den gleichen Augen sehen wie ihre Vorfahren, aber das in der Familie vermittelte Heimatgefühl und die Identität als Schlesier wird weitergegeben. Daraus resultiert nicht nur das Heimatgefühl, sondern es entsteht auch Literatur und eine Sprachkultur, die sich meist auf die Heimat bezieht.

Welche Regionen ein solche Rolle im Leben der Menschen spielt, werden wir in dieser neuen Kategorie beleuchten.  

Quellen

Wolfgang Krumbein, Hans-Dieter von Frieling, Uwe Kröcher, Detlev Sträter (Hrsg.). Kritische Regionalwissenschaft. Gesellschaft, Politik, Raum. Verlag Westfälisches Dampfboot, Münster 2008

Philipp Ther, Holm Sundhaussen. Regionale Bewegungen und Regionalismen in europäischen Zwischenräumen seit der Mitte des 19. Jahrhunderts. Verlag Herder-Institut, Marburg 2003

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