Transkarpatien

Dass die Ukraine ein sehr heterogener Staat ist, lässt sich besonders an den Regionen erkennen, die früher zu anderen Staaten oder Herrschaftsbereichen gehört haben. Eine Region liegt im Westen des Landes: Transkarpatien. Schon die Tatsache, dass die Region an vier andere Nationalstaaten grenzt, lässt erahnen wie vielfältig sie ist.

Transkarpatien, ukrainisch Sakarpatska oblast, wurde früher Karpatenukraine genannt, weil der Lange Gebirgszug der Karpaten wie ein Gürtel durch die Region zieht. Das Gebiet ist dicht besiedelt, wobei etwa 20% der Bevölkerung Angehörige von Minderheiten wie Ungarn, Rumänen oder Roma sind.

Erste Besiedlungen der Region durch die Slawen fanden etwa im 6. Jahrhundert statt, die im Verlauf verschiedener Siedlungsverschiebungen dort neu siedelten. Die folgenden Jahrhunderte gehörte das Gebiet zu verschiedenen Fürstentümern wie Großmähren oder den Vorläuferreichen Ungarns, die noch als Nomanden lebten. Die Zugehörigkeit zu Ungarn ist in der Kultur und Sprache der Region bis heute besonders sichtbar.

 Ab dem 13. Jahrhundert stand Transkarpatien unter der Herrschaft der Walachen, die sich mit der Zeit ein riesiges Reich aufbauten, deren Zentrum das heutige Rumänien war und Transkarpatien an der nördlichen Peripherie lag. Das aufstrebende Habsburger Reich übernahm an dem späten 17. Jahrhundert die Macht in großen Teilen Südosteuropas. Kleinere Teile verblieben bei Ungarn.

Viele Bewohner der Karpatengegenden, nicht nur in Transkarpatien, nutzten Mitte des 19. Jahrhundert die Chance zum Auswandern aufgrund vieler politischer Spannungen und die Unterdrückung der russinischen Bevölkerung.

Nach dem Ersten Weltkrieg gehörte die Region zur neugegründeten Tschechoslowakei, war aber schlecht erschlossen und daher eine der ärmsten Regionen des Landes. Die Bevölkerung war mit dieser von den Alliierten getroffenen Entscheidung nicht zufrieden. Einige Bevölkerungsgruppen strebten andere Zugehörigkeiten an, was durch die Wirren der 1930er -Jahre kaum zur Verbesserung der Lebensrealität der Menschen führte, ebenso wie in den folgenden Kriegsjahren.

Nach dem Ende des II. Weltkrieges wurde Transkarpatien Teil der Ukrainischen Sowjetrepublik und ist nach der Unabhängigkeit der Ukraine fester Bestandteil des Staatsgebietes.

Heute sprechen immer noch viele Menschen Ungarisch als Muttersprache, obwohl die Zahl leicht abnimmt, laut den letzten Volkszählungen. Die russinischen bzw. Ukrainischen Dialekte der Region weisen viele Einflüsse der Kontaktsprachen wie Slowakisch, Rumänisch und Ungarisch auf.

Das Wappen Transkarpatiens ist zweigeteilt: Der linke Schildteil besteht aus sieben Streifen in Blau-Gelb, der rechte Teil zeigt einen roten Bären auf silbernem Grund.

Quellen

Böhme, Britta. Grenzland zwischen Mythos und Realität. Real- und Ideengeschichte des ukrainischen Territoriums. Berliner Debatte Wissenschafts-Verlag, Berlin 1999

Kappler, Andreas. Kleine Geschichte der Ukraine (= Beck’sche Reihe. Bd. 1059). Beck, München 1994

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

*