Schriftsysteme

Schriften sind eine Möglichkeit Sprachen in sichtbare Zeichen zu übertragen. Dabei sind die wenigsten Schriften eine genaue Zuordnung der gesprochenen Laute oder Silben, besonders wenn die Schrift von außerhalb kam, z.B. durch Kolonisierung.

Schriften können ganz verschieden aussehen und funktionieren. Klassischerweise werden Schriften in drei Kategorien eingeteilt: Buchstaben-, Silben- und Wortschrift. Die Funktionsweise unterscheidet sich dabei nicht nur bei der Verschriftlichung der gesprochenen Sprache, sondern in der Art und Weise wie geschrieben wird, z.B. die Schreibrichtung.

Buchstabenschriften sind meist als 1:1 – Zuordnung eines Lautes zu einem Zeichen aufgebaut. Besonders in Europa sind Buchstabenschriften verbreitet, genauso wie in Ländern, deren Sprachen von den Europäern durch Eroberungsfahrten und spätere Kolonialreiche in die Regionen gebracht wurden. Der Ursprung dieser Schriften liegt zum größten Teil im phönizischen Alphabet. Daraus haben sich im Laufe der Zeit unter anderem das lateinische, griechische und auch das kyrillische Alphabet. Einige Buchstabenschriften, z.B. das Arabische, verwenden nur Konsonantenzeichen, weil die Verständlichkeit auch ohne die Verschriftlichung der Vokale gegeben ist. Konsonantenschriften sind typischerweise in den semitischen Sprachen zu finden.

Anders als die meisten europäischen Sprachen nutzen viele Sprachen wie Japanisch oder Amharisch Silbenschriften, wobei der Aufbau der Silben sehr komplex sein kann. Sprachen haben konkrete Regeln welche Silbenart in der jeweiligen Sprache erlaubt sind. Das macht das Schreiben von Silben intuitiver als eine reine Zuordnung einzelner Buchstaben. Entlehnter Wortschatz stellt in Silbenschriften aber ein großes Problem dar, sodass für diese Wörter Zeichen angepasst werden müssen. Das Japanische nutzt sogar mehrere Schriftsysteme gleichzeitig, was den Schrifterwerb schwieriger gestaltet als in anderen Sprachen.

Für Menschen, die nur Buchstaben- oder Silbenschriften gewöhnt sind, stellen Wortschriften, auch Logographie genannt, eine Schwierigkeit dar. Sie haben keine Zuordnung der Laute zu Zeichen wie Buchstaben oder Silben und sind daher sehr schwer zu lernen. Es lassen sich auch mehrere Wörter kombinieren, was es einfacher beim Lesen macht, sollte man die Einzelteile kennen. Die schiere Anzahl der Zeichen einer Schrift, z.B. in Mandarin, geht in die Tausende.

Es gibt auch Sprachen ohne Schrift bzw. ohne Verschriftlichung. Das bedeutet mitunter, dass die reine Mündlichkeit als Kulturgut dieser Sprache eine Gefahr für den Erhalt der Sprache darstellt. Das trifft besonders Sprachen mit einer kleinen Sprecher*innengruppe.

Um solche Sprachen zu dokumentieren, werden von Wissenschaftler*innen meist phonetische Schriften wie IPA verwendet, um vor allem die Aussprache zu verschriftlichen. Wörterbücher und Grammatiken für schriftlose Sprachen werden meist in einer angepassten Schrift des lateinischen Alphabetes geschrieben, wobei die Verkehrssprache Englisch oder die Sprache der dokumentierenden Person der entscheidende Faktor ist.

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Quellen

Haarmann, Harald: Geschichte der Schrift. Beck, München 2002

Dürscheid, Christa: Einführung in die Schriftlinguistik. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2016

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