
Es ist kein Geheimnis, dass mein Herz den slawischen Sprachen, insbesondere dem Niedersorbischen, gehört. Ich lerne die Sprache und versuche auch andere dafür zu begeistern. Das sehe ich als das wichtige Ziel meiner Arbeit als Linguistin und Slawistin.
Im Laufe der letzten Jahre habe ich viel über das Sorbische im Allgemeinen und ihr Dasein in mitten der deutschen Dominanz gelernt. Und zu Beginn war ich begeistert von den Möglichkeiten, die die beiden Sprachen und die Kultur der Lausitz bieten. Für mich war es eine (fast) neue Welt, die unweit meiner Heimatstadt Berlin liegt.
Begonnen hat es mit ein paar Onlinesprachkursen, zum Reinschnuppern. Ich hatte eigentlich nicht vor meinen Fokus derart stark auf das Niedersorbische zu richten. Doch ich fand soviel Gefallen daran, dass ich weiterlernte und im Studium nach Möglichkeiten suchte das Thema ‚Sorbisch‘ zu vertiefen. Schnell war klar, dass ich mein ‚Wirkungskreis‘ vergrößern muss, um wirklich etwas für diese Sprache zu tun.
Ein wichtiger Punkt ist die Vernetzung mit anderen Interessierten und Lerner*innen. Das ist in Berlin möglich, aber limitiert. Die sozialen Medien bieten da viel bessere Möglichkeiten und die Idee eines eigenen Instagram-Accounts nur für das Niedersorbische (niedersorbisch.lernen) war geboren. Der Anfang lief super, die Resonanz war groß. Nach und nach wurde das Netzwerk größer, neue Leute aus der Community kamen dazu, erste kleine Kooperationen entstanden und ich hatte das Gefühl auf dem richtigen Weg zu sein.
Aber kein Weg ist geradlinig! Meine Arbeit ist oft geprägt von persönlichen Zweifeln, ob mein Tun sinnvoll und nachhaltig ist. Immer wieder lese ich Artikel oder wissenschaftliche Beiträge, in denen das Dasein und die Zukunft des Niedersorbischen in Frage gestellt wird. Viele meinen oft, dass eine so kleine Sprache nicht (re)vitalisiert werden sollte, es würde nur Geld und Ressourcen verschwenden. Niemand braucht diese Sprache, es können ja alle Deutsch, heißt es oft! Solche Meinungen gibt es sogar aus der sorbischen Community!
Als Linguistin sehe ich den Verlust JEDER Sprache als Verlust von Kultur, Identität und Vielfalt. Gerade hier in Deutschland sind wir stolz auf sprachliche Diversität. Wir schützen unsere Minderheitensprachen, räumen ihnen Raum im öffentlichen Leben ein (zumindest teilweise) und geben uns offen. Und doch sehen sich die Sprecher*innen kleiner Sprachen wie dem Niedersorbischen einer deutschsprachigen Gesellschaft gegenüber, die den Wert der Sprache (noch) nicht erkennt.
Meine Motivation lässt kurzzeitig nach, wenn ich Argumente gegen die Arbeit für das Niedersorbische höre oder lese, aber ich bin nicht gewillt den Miesepetern das Feld zu überlassen! Es gibt so viele Ideen von Menschen, die Lust haben sich für das Niedersorbische einzusetzen. Doch ich bin ehrlich: Es ist anstrengend und langwierig! Die Bürokratie ist das Eine, die Ignoranz vieler Menschen das Andere.
Ich möchte zeigen wie toll und lernenswert diese Sprache ist, ohne Druck auszuüben, denn das kennen wir alle aus der Schule. Wer lernt gerne, wenn er muss? Die Sprache muss als Teil des Alltagslebens gesehen werden, als Teil der Identität. Wir, und damit meine ich alle, dürfen und sollen uns diesen Raum zum Lernen und Sprechen nehmen, ohne von anderen belehrt oder gegängelt zu werden.
Ich bin mittlerweile selbstbewusst genug auf negative Kommentare mit positiver Energie zu reagieren, auch wenn es mich Überwindung und viel Energie kostet! Und das wünsche ich mir für alle anderen, die ein Ziel vor Augen haben!
