Die Region Lebus

Eine der 16 Woiwodschaften Polens ist Lebus, polnisch Województwo lubuskie, grenzt nicht nur an Deutschland, sondern hat auch eine lange gemeinsame Geschichte mit seinem Nachbarn.

Die historische ehemals deutsche Region ‚Neumark‘ wird von der heutigen Woiwodschaft Lebus fast vollständig umfasst. Im Norden grenzt Westpommern, im Osten Großpolen, im Süden Niederschlesien und im Westen Brandenburg. Die beiden wichtigsten Städte sind Gorzów Wielkopolski (Landsberg an der Warthe) und Zielona Góra (Grünberg), in denen die Verwaltung angesiedelt ist.

Wie die Regionen links der Oder ist die Lebuser Region landschaftlich durch die letzte Eiszeit geprägt. Das Land ist durchzogen von Flüssen z.B. Warta (Warthe) und Odra (Oder), die sich zwischen viel Wald entlangschlängeln. Es gibt einige Naturschutzgebeite z.B. Nationalpark Warthemündung (Park Narodowy Ujście Warty) und den Landschaftsschutzpark Łagów (Łagowski Park Krajobrazowy), in denen zahlreiche Vogelarten beheimatet sind. Die Woiwodschaft ist eine der am dünn besiedelten Gegenden Polens. Die Industrie in den Städten und die Landwirtschaft sind neben dem langsam wachsenden Tourismus die Lebensgrundlage der Menschen, wobei der Tourismus immer mehr forciert und ausgebaut wird.

Erste Besiedlungen der Region fanden in der mittleren Steinzeit ca. 8000 v.Chr. statt. Mit aufkommender Landwirtschaft entstanden in der Jungsteinzeit Siedlungen, wahrscheinlich von germanischen Stämmen. Im vierten Jahrhundert n.Chr. war das Gebiet nicht besiedelt, erst im 6. Jahrhundert kamen slawische Stämme u.a. die Pyritzer und Lebuser und siedelten an den Flüssen.

Ab dem 10. Jahrhundert gehörte die Region zum polnischen Staat unter Mieszko I. aus dem Geschlecht der Piasten. Seit dieser Zeit verbreitete sich das Christentum unter den Slawen. Zu Beginn des 13. Jahrhunderts gehörten Teile der Region zu christlichen Orden, zu Niederschlesien oder Großpolen. Die Besiedlung mit deutschen Siedlern in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts fiel mit dem Herrschaftsbeginn des Hauses Brandenburgs zusammen. Das Einflussgebiet der Brandenburger wurde über die Region weiter ausgebaut.

Kriegsgeschehen wie der Dreißigjährige Krieg (1618-1648) und der Siebenjährige Krieg (1756-1763) ließen die Region wirtschaftlich und bevölkerungsmäßig ausbluten. Die Neuansiedlung und Gründung von Dörfern begannen zeitnah nach den Kriegen. Trotz der Rückschläge wurde das Gebiet im 18. und 19. Jahrhundert wirtschaftlich genutzt. Als Teil Preußens wurden die sumpfigen Gegenden trockengelegt und ein einfaches Verbindungsnetz zwischen den Siedlungen und Städte z.B. Berlin-Küstrin geschaffen, das weiter in Richtung Posen, Breslau oder Königsberg ging. Für große Industrieanlagen eignete sich der Untergrund jedoch kaum und so wanderten viele Menschen im 19. Jahrhundert in andere Industriezentren und Großstädte ab.

Nach dem Ersten Weltkrieg verblieb die Region bei Deutschland, wurde aber zur Grenzregion zwischen Deutschland und dem neu entstandenen Polen. Nach dem Zweiten Weltkrieg verschob sich die deutsch-polnische Grenze bis zur Oder. Die deutschen Bewohner wurde vertrieben und neue, aus dem Osten vertriebene, Polen angesiedelt.

Die Region blieb bis zum Ende des Kalten Krieges und der Öffnung der Grenzen wenig beachtet. Erst in den letzten Jahrzehnten konnte v.a. der touristische Wert der Region genutzt werden. Die zahlreichen Bauwerke wie Schlösser oder Burgen und dazugehörende Parkanlagen sind ein Schatz dieser Region. Die benachbarten Region Brandenburg und die Woiwodschaft Lebus arbeiten im touristischen Bereich intensiv zusammen. Die wasserreiche Region bietet Wassersportfans unzählige Möglichkeiten, auch Rad- und Wanderwege wurden ausgebaut.

Bekannte Personen aus der Region sind u.a. Johann von Küstrin (1513-1571), die Frauenrechtlerin Marie Juchacz (1879–1956), die Sängerin Maryla Rodowicz (*1945) und die Schriftstellerin Olga Tokarczuk (*1962).

Das Wappen der Woiwodschaft Lebus ist in Rot und Grün gespalten, mit einem silbernen Adler und zwei goldenen Sternen.

Quellen

Kling, Wolfgang & Lüderitz, Jörg. Neumark. Durch die alte Kulturlandschaft östlich von Oder und Neiße. Trescher Verlag, Berlin 2015

Rutkowski, Paweł (Hrsg.). Streifzüge zwischen Oder und Drage. Begegnungen mit der Neumark. Deutsches Kulturforum östliches Europa, Potsdam 2012

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