Kleine Fächer studieren – Wozu?

Die Antwort auf „Was studierst du?“ sorgt manchmal für Fragezeichen, denn in Deutschland gibt es zahlreiche so genannte ‚Kleine Fächer‘, die viele Menschen nicht kennen. Und wahrscheinlich kannten die Studierenden dieser Fächer sie früher selbst nicht. Doch in der jetzigen Zeit der großen Sparmaßnahmen stehen besonders die kleinen Fächer im Fokus.

Als ‚Kleines Fach‘ gelten Fächer, die es nur an wenigen Universitäten gibt und maximal 3 Professuren haben. Das betrifft in Deutschland etwa 160 Fächer, wobei sich die Zahl laufend ändert, aufgrund von auslaufenden Studiengängen oder dem Übergang eines kleinen Faches in ein mittelgroßes. Generell sind die Studierendenzahlen der kleinen Fächer überschaubar, je nach Standort. Manche finden sich auch traditionell nur in bestimmten Regionen wie die Fächer Bergbau oder Baltistik, deren Bezug zur Region traditionell begründet ist.

Wer sich für ein kleines Fach entscheidet, ist sich (meist) im Klaren warum genau dieses Fach. Heute ist es sehr einfach sich Informationen zu beschaffen, die Entscheidung für das Fach gegenüber anderen, großen Fächern ist wohl überlegt. Die Motivation der Studierenden ist oft intrinsisch, was ein entscheidender Vorteil sein kann.

Meiner Meinung nach bieten kleine Fächer viele Vorteile für die Studierenden und die Gesellschaft. Das Studium ist intensiv, familiär und die Betreuung persönlich. Die Dozierenden kennen ihre Studierenden und können auf Probleme und Wünsche besser eingehen als in großen Fächern. Ich habe beide Seiten erlebt: Mein Hauptfach im Bachelor war ‚Slawische Sprachen und Literaturen‚, mit maximal 15 Studierenden (kam selten vor) pro Veranstaltung, sehr überschaubar. Im Nebenfach ‚Germanistische Linguistik‚ hatten wir in der Vorlesung eine dreistellige Studierendenzahl. Dass die persönliche Betreuung dabei nicht gewährleistet ist, kann man sich wohl denken.

Die Expertise, die sich Studierende kleiner Fächer aneignen, ist sehr speziell. Sie sind absolute Fachleute auf ihrem Gebiet. Zusätzlich ist die Vernetzung mit verwandten Disziplinen im Studium ausgeprägt, je nach Nebenfach oder Ausrichtung der jeweiligen Universität.

Doch genau diese Spezialisierung ist auch ein großer Nachteil, der die Jobsuche nach dem Abschluss schwierig gestalten kann. Selten sind Stellen für Technikhistoriker oder Mineralogen ausgeschrieben. Die frühe Vernetzung im Studium ist hier ein wichtiger Faktor für einen guten Job.

Von universitärer Seite gibt es leider stetigen Druck auf Fächer, die nur wenige Studierende haben, denn sie sind von Sparmaßnahmen besonders bedroht. Auch der Nutzen eines Studium der Theatertherapie oder Rumänistik ist vielen nicht auf Anhieb klar und wird eher als ‚Hobbystudium‘ abgetan. Deshalb erwerben Studierende kleiner Fächer oft noch Zusatzqualifikationen, um neben ihren besonderen Kenntnissen einen Vorteil für später zu generieren, z.B. durch Fremdsprachen– oder IT-Kompetenzen.

Kleine Fächer lohnen sich aber in jedem Fall, denn sie bieten trotz ihrer Spezialisierung viele Möglichkeiten für die Studierenden. Der Weg mag nicht so ersichtlich sein wie bei einem Medizin- oder Lehramtsstudium, doch das Interesse am Fach wird einen Weg in die Arbeitswelt ermöglichen. Also, nur Mut zum Außergewöhnlichen!

Hast du ein kleines Fach studiert? Oder studierst es aktuell? Schreib deine Meinung dazu gerne in die Kommentare!

Quelle

Portal Kleine Fächer: https://www.kleinefaecher.de/

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