Die armenische Schrift

In Europa sind wir die lateinische Schrift gewöhnt, vergessen aber oft, dass aber weltweit noch viele andere Schriften existieren. Eine davon wird nur für eine einzige Sprache verwendet: die armenische Schrift.

Armenisch ist eine seit dem 5. Jahrhundert schriftlich belegte Sprache, die durch die wechselhafte Geschichte viele Einflüsse geografisch benachbarter Sprachen aufweist. Die verwendete Schrift wurde von Mesrop Maschtoz, einem armenischen Heiligen, zu Beginn des 5. Jahrhunderts entwickelt, vorher schrieb man Armenisch mit anderen Schriften wie der griechischen oder aramäischen.

Heute wird bezweifelt, dass die armenische Schrift eine gänzlich neue Schrift ist, denn sie zeigt grafische Ähnlichkeiten mit anderen Alphabeten, z.B. einer semitischen oder der äthiopischer Schrift, deren Vorkommen früher datiert ist. Ob Armenisch vor Maschtoz Schrift eine andere (eigene) nutzte, ist nicht belegt. Als wichtigster Grund für die Schaffung der Schrift, wird die Christianisierung in der Region zu Beginn des 4. Jahrhunderts gesehen, da religiöse Texte und andere Schriften Einzug hielten.

Die Schrift hat sich im Laufe der Zeit an die Veränderungen der armenischen Sprache angepasst, z.B. vollzogen sich im 13. Jahrhundert Lautwandel, die zusätzlichen Zeichen nötig machten. Statt, wie in vielen anderen Fällen z.B. Tschechisch oder Polnisch, wurden dem bestehenden Alphabet keine Diakritika sondern neue Buchstaben hinzugefügt. Auch bei neuen Lauten, die durch Entlehnungen in die armenische Sprache kamen, mussten Buchstaben ergänzt werden. Das zeigt eine puristische Einstellung im Vergleich zu anderen Sprachen.

Außerdem gab es mehrere Reformen, was aber nicht in allen Regionen bzw. Gruppen der Sprachgemeinschaft durchgesetzt wurde, sodass sich anhand der Schrift einer Person ablesen lässt, woher sie stammt.

Ähnlich wie im asiatischen Raum wird die Schrift nicht nur als Kommunikationsmittel genutzt, sondern erfüllt auch einen künstlerischen Zweck. Seit ihrer Entstehung werden einzelne Buchstaben oder ganze Wörter als künstlerische Elemente verwendet, kombiniert mit Tieren oder anderen grafische Elementen. Die Verbreitung dieser Kunst zeigt sich im öffentlichen Raum, an Gebäuden und als Bestandteil der Volkskunst auf Skulpturen, Bildern oder Kleidung. Seit 2019 ist diese Kunst Teil des immateriellen Kulturerbes der UNESCO. In Armenien ist die Verwendung der Schrift als Kunstelement Teil der Schulbildung und wird von vielen Berufsgruppen verwendet.

Die ursprünglichen 39 Buchstaben sind bis heute in ihrer Form fast unverändert und haben traditionelle Namen, die im Neuarmenischen aber kaum noch bekannt und verwendet werden. Zahlen wurden früher mit bestimmten Buchstaben wiedergegeben, wobei die Null im System fehlte.

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Quellen

Eggenstein-Harutunian, Margret. Einführung in die armenische Schrift. Hamburg: Buske 2012

Haarmann, Harald. Geschichte der Schrift. Beck, München 2002

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