
Bildung für Frauen ist für uns heute selbstverständlich. Aber es ist noch nicht so lange her, dass Frauen sich erstmals für ein Studium einschreiben durften, in Preußen offiziell erst seit 1908. An der Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin (heute Humboldt-Universität zu Berlin) studierte ab Oktober 1908 Agnes von Zahn-Harnack als erste Frau.
Agnes Zahn-Harnack wurde in Gießen am 19.06.1884 in eine wissenschaftlich vielseitig bekannte Familie hineingeboren. Sie erhielt eine gute Schulausbildung und legte 1903 ihr Lehrerinnenexamen ab, was damals der höchste Abschluss für Frauen war, da sie in Preußen noch nicht studieren durften. Als die reguläre Zulassung von Frauen offiziell wurde, schrieb sie sich sofort für Germanistik, Anglistik und Philosophie ein. Ihre Promotion musste sie 1912 in Greifwald absolvieren, weil sich einige Professoren in Berlin weigerten sie zu prüfen.
Nach dem Abschluss schloss sich Zahn-Harnack dem ‚Nationalen Frauendienst‘ an, ein Organisation für freiwillige Dienste von Frauen. Es ging unter anderem um die Mobilmachung der Frauen, deren Fähigkeiten bei Kriegsbeginn nicht von der Regierung beachtet wurde. Außerdem machte sich die Organisation für Frauenrechte stark, besonders Arbeitsrechte von erwerbstätigen Frauen und Mädchen versuchte sie zu stärken.
Nach dem Krieg heiratete Agnes den Juristen Karl von Zahn und trug ab da einen Doppelnamen. Ihre Berufstätigkeit gab sie auf, um sich um die Familie zu kümmern, war aber weiterhin politisch aktiv. Ihrem Eintritt in die ‚Deutsche Demokratische Partei‘ 1926 folgte die Gründung des ‚Deutschen Akademikerinnenbundes‘, der sich für Frauen in der Wissenschaft und der Förderung von Studentinnen widmete.
Publizistisch trat Zahn-Harnack mehrfach in Erscheinung, unter anderem mit historischen Überblicken und Literatursammlungen der Frauenbewegung. Die Machtergreifung der Nazis erschwerte die Arbeit von Frauen und ihrer Organisationen. Schon ab 1931 veränderte sich das gesellschaftliche Klima und ab 1933 führten neue Vorschriften wie der Ausschluss jüdischer Mitglieder und Eingliederungszwang in NSDAP-Strukturen zur Entscheidung den Bund der Frauenvereine aufzulösen.
Doch die Arbeit von Zahn-Harnack endete nicht mit der Auflösung, sie engagierte sich weiter gegen die Nazis, auch wenn sie sich im Hintergrund hielt. Unter anderem veranstaltete sie politische Treffen, getarnt als Teenachmittage, und unterstützte Gruppen, die Juden und Jüdinnen die Ausreise ermöglichten. Der Widerstand wurde von der gesamten Familie unterstützt, einige kostete er das Leben, z.B. Arvid Harnack und seiner Frau Mildred Harnack-Fisch.
Sofort nach Kriegsende begann Agnes mit der Reorganisation und gründete 1945 den ‚Wilmersdorfer Frauenbund‘, der später auf ganz Berlin erweitert wurde. Sie leitete den Verein bis zu ihren Tod am 22.05.1950.
Das Erbe dieser kämpferischen Frau ist bis heute in vielen Organisationen zu finden und verbindet Frauenrechte mit dem Kampf gegen soziale Ungerechtigkeit und Diskriminierung.
Kämpferinnen wie Agnes Zahn-Harnack sind Vorbilder für Frauen, die sich bilden und etwas erreichen wollen. Wir müssen immer daran denken, dass Rechte von Frauen hart erkämpft wurden und wir sie uns nicht einfach so wieder wegnehmen lassen!
Quellen
Cymorek, Hans & Friedrich Wilhelm Graf. Agnes von Zahn-Harnack (1884–1950). In: Inge Mager (Hrsg.): Frauenprofile des Luthertums. Lebensgeschichten im 20. Jahrhundert. Gütersloh 2005
https://www.digitales-deutsches-frauenarchiv.de/akteurinnen/agnes-von-zahn-harnack
