Isländisch

Im Vergleich zu anderen germanischen Sprachen ist Isländisch mit 300.000 Sprecher*innen eine kleine Sprache, aber sehr komplexer Grammatik.

Isländisch (íslenska) ist die Amtssprache Islands, zahlenmäßig nennenswerte Sprechergruppe gibt es auch noch in Dänemark und Kanada, wobei sich die Sprache dort kaum vom Standardisländischen unterscheidet. Innerhalb der germanischen Sprachfamilie zählt die Sprache zu den nordgermanischen Sprachen wie z.B. Dänisch oder Faröisch.

Island war bis zum Mittelalter nicht besiedelt, doch dann kamen vor allem norwegische Siedler nach Island, was sich an vielen Ähnlichkeiten zwischen Isländisch und den südwestlichen Dialekten Norwegens zeigt. Die geografische Lage hat auch dafür gesorgt, dass sich alte Formen des Altisländischen besonders gut erhalten haben und von Linguist*innen, die sich mit Altnordisch beschäftigen, optimal als Referenzdaten genutzt werden können. Das betrifft vor allem die Morphologie, jedoch hat sich die Aussprache im Isländischen stark verändert, im Vergleich zu seinen Sprachverwandten.

Ganz ohne Einflüsse anderer Sprachen ist natürlich auch das Isländische nicht. In der Neuzeit, etwa ab 1600, kamen viele dänische und niederdeutsche Einflüsse auf, die durch Übersetzungen religiöser Texte sowie der Bibel Verbreitung fanden. Das war nicht bei allen auf Island gerne gesehen, sodass sich schon kurze Zeit später Menschen an die Arbeit machten das ‚richtige‘ Isländisch zu standardisieren, z.B. durch Wörterbücher und Grammatiken. Trotzdem blieb das Dänische aus politischer Sicht die zweitwichtigste Sprache der Insel, ähnlich wie es auch den Faröer-Inseln zu beobachten war.  

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts nahm die isländische Literatur Fahrt auf und es erschien immer mehr auf Isländisch, vor allem auch Forschungsarbeiten. Das festigte den Stand des Isländischen, Beamte musste beide Sprachen beherrschen und es entstand eine Isländisch-Professur in Kopenhagen. Der Sprachpurismus war auf Island schon immer sehr präsent, sodass zum Beispiel viele orthographische Details wieder dem Altisländischen angeglichen wurden. Daraus und auch aus der spezifischen Besiedlung der Insel resultierte eine sehr homogene Sprachgemeinschaft, die nur wenig dialektale Färbung aufweist.

Trotzdem oder vielleicht gerade deshalb verfügt das Isländische über einen riesigen Wortschatz, besonders im Bereich Natur und Tiere. Um Fremdwörter zu vermeiden, werden isländische Lexeme kombiniert, wobei heute vor allem zahlreiche englische Entlehnungen zu finden sind.

Das genutzte lateinische Alphabet ist um einige Zeichen erweitert worden, denn das isländische Phoneminventar ist viel größer als das lateinische. Typische Buchstaben sind z.B. <Ð / ð> und <Þ / þ>, dazu noch Vokalgrapheme wie <Æ / æ> oder <Ö / ö>. Auch die Aussprache ist sehr komplex, denn fast alle Konsonanten kommen als Paare vor, die sich durch Aspiration unterscheiden. Die 8 Monophthonge und 5 Diphthonge können, je nach Kontext, lang oder kurz sein.

Die Grammatik ist komplexer als im Deutschen, das will schon was heißen, zum Beispiel wird auch im Plural teilweise auch nach Genus unterschieden. Das Isländische ist eine Verb-Zweit-Sprache (wie im deutschen Hauptsätzen), unabhängig ob Haupt- oder Nebensatz. Die Gemeinsamkeiten dürfen aber nicht über die Komplexität beim Isländisch lernen hinwegtäuschen.

Sprichst du Isländisch? Oder lernst es gerade?

Quellen

Scholten, Daniel. Einführung in die isländische Grammatik. Philyra, München 2000

Duppler, Ríta & Astrid van Nahl. Isländisch. Ein Lehrbuch für Anfänger und Fortgeschrittene. Buske, Hamburg 2015

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