Die Kaschubei

In Polen leben viele ethnische Minderheiten, unter anderem die Kaschuben in der Kaschubei (kaschubisch Kaszëbë oder Kaszëbskô, polnisch Kaszuby), die seit der Besiedlung verschiedenster slawischen Stämme dort siedelten. Die Schwierigkeit des Begriffes „Kaschubei“ liegt auch in der geografischen Ungenauigkeit, denn es gab kein kaschubisches Herrschaftsgebiet, sodass eher der Umstand zählt: Die Kaschubei ist dort, wo Kaschuben leben.

Die Kaschubei, oft auch Kaschubien genannt, liegt an der Ostseeküste Polens rund um das Städtedreieck Danzig-Gdingen-Sopot und reicht circa 50 Kilometer südwestlich ins Landesinnere hinein. Es gibt zahlreiche Seen, die zur Pommerschen Seenplatte gehören, und einige hügelige Erhebungen, die größte ist der Wieżyca (dt. Turmberg) mit 329 m. Die Landschaft ist geprägt durch die Moränen der letzten Eiszeit.

Die erste Erwähnung der Kaschubei findet sich im dreizehnten Jahrhunderts in der Chronica Poloniae Maioris, einer frühen Chronik der polnischen Geschichte. Wobei sich die Bezeichnung Kaschubei bzw. das Volk der Kaschuben erst im sechszehnten Jahrhundert konkret auf das heutige Gebiet und den Volksstamm bezieht. Die Ostbesiedlung der Deutschen in Westpommern führte zur Verminderung des kaschubischen Gebietes und die Kaschuben wurden dort zu einer Minderheit, die sich assimilierten, so dass die Westkaschuben heute nicht mehr als Kaschuben gesehen werden. Der ostwärts gelegene Teil der Kaschubei, der mehr unter polnischer Kontrolle stand bewahrte seine kulturelle Eigenständigkeit.

Nach den Teilungen Polens stand die Region unter preußischer Kontrolle. Im Gegensatz zu den Preußen waren die Mehrheit der Kaschuben katholisch und bildeten eine feste Gemeinschaft, die sich dem Germanisierungsdruck widersetzten und sich als Landbevölkerung etablierten, während die deutsche Bevölkerung eher in den Städten wie Danzig lebte. Die Kaschuben sicherten sich ihr Bestehen oftmals durch den Erwerb der deutschen Sprache, der ihnen auch die Türen in die städtische Gesellschaft ermöglichte. Ihre Mutter- bzw. Erstsprache blieb aber Kaschubisch (kaszëbsczi jãzëk), eine westslawische Sprache.

Die Bedeutung der Region zeigt sich auch nach dem Ersten Weltkrieg, die Aufteilung in ein deutsches und ein polnisches Gebiet und die Freie Stadt Danzig (kaschubisch Gduńsk, polnisch Gdańsk), die unter der Aufsicht des Völkerbundes stand. Die politische Situation blieb fortan angespannt. Der Überfall der Deutschen auf Polen u.a. über die Danziger Westerplatte und die Eingliederung ins Deutsche Reich sind einer der dunkelsten Kapitel der Region. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Deutschen vertrieben, viele Polen aus den ehemaligen polnischen Ostgebieten (polnisch Kresy) angesiedelt. Die Kaschuben waren wieder mal in der Minderheit. Der polnische Staat betrieb eine starke Polonisierungspolitik. Erst in den letzten dreißig Jahren erlebt die Kaschubei einen kulturellen Aufschwung.

Die Sprache der Kaschuben ist heute eine geschützte Regionalsprache, was ein wichtiger Schritt zur Erhaltung der kaschubischen Kultur und Sprache ist. Die wirtschaftliche Lage der Menschen in dieser Region ist ein wichtiger Umstand, um hier leben und arbeiten zu können. Denn die Abwanderung schwächt das kulturelle Leben, deren Sprecherzahlen nicht merklich steigen.

Manche Wissenschaftler zweifeln die Existenz der Kaschuben als Volksgruppe an, die Kaschuben selber fühlen sich in der Mehrheit als Kaschuben und Polen, wobei diese Dualität von vielen Polen als Beweis für mangelnden Patriotismus angesehen wird.

Doch die reiche Kultur der Kaschuben wie Trachten, Bräuche etc. zeigt deutlich das slawische Erbe dieser Region. Der Stolz vieler Kaschuben auf ihre Herkunft sollte nicht mit mangelndem Nationalstolz verwechselt werden!

Die individuellen Merkmale wie Sprache und Symbolik charakterisiert viele historischen Regionen. Das Symbol der Kaschubei ist der Greif, ein antikes Wesen, auf goldenem Grund, und auch die Flagge ist in Schwarz-Gold gehalten.

Quellen

Borzyszkowski, Józef & Albrecht, Dietmar (Hg.). Kaschubisch-pommersche Heimat. Geschichte und Gegenwart / Pomorze – mała ojczyzna Kaszubów. Historia i współczesność. Gdańsk, Lübeck 2000.

Lorentz, Friedrich. Geschichte der Kaschuben. Berlin 1926

Obracht-Prondzyński, Cezary. The Kashubs: past and present. Lang, Oxford 2011

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