
Erinnerst du dich noch an den Deutschunterricht in der Schule? Oder an den Fremdsprachenunterricht? Bei mir ist das schon ein Weilchen her, aber ich erinnere mich vor allem daran, dass wir viel deutsche Literatur gelesen haben, zumindest ab der Realschule. Auch das Thema Rechtschreibung war omnipräsent, zumal ich mich in meiner Schulzeit mehrmals an neue Schreibregeln gewöhnen musste. Nicht alles ergab, aus meiner Sicht, Sinn und noch heute bin ich oft unsicher, z.B. bei dem Begriff zuhause, zu Hause? Doch ein Themenbereich fehlte mir in der Oberschule: die Linguistik.
Da jedes Bundesland sein eigenes Süppchen kocht, werfen wir mal einen Blick in den Rahmenlehrplan Deutsch von Berlin und Brandenburg. Hier werden für alle Klassenstufen Ziele und Kompetenzen erläutert, die die Schüler*innen erwerben sollen. Dabei wird betont wie wichtig Sprache als „Schlüssel um Welt- und Selbstverständnis und Mittel zwischenmenschlicher Verständigung“ sei, egal ob Erst- oder Zweitsprache.
Die Kompetenzbereiche sind dreigeteilt: Sprachwissen und Sprachbewusstsein entwickeln, Sprechen/Zuhören/Schreiben/Lesen und Sich mit Texten und anderen Medien auseinandersetzten. Der Erwerb dieser Kompetenzen erfolgt im Laufe der Schulzeit.
Als Linguistin interessiert mich der Bereich Sprachwissen und Sprachbewusstsein entwickeln besonders, denn er beschäftigt sich mit linguistischem Wissen, worauf das Studium später aufbaut. Dabei geht es in der Schule neben der Vermittlung von Grammatik um Themen wie Register, Sprachvarietäten, Mehrsprachigkeit, Pragmatik und Sprachpolitik. Alle Themen sollen altersgerecht und mit aufsteigender Komplexität vermittelt werden.
In der Grundschule kann ich mich an viel Grammatik, z.B. Wortarten unterscheiden oder Ableitungen bilden, erinnern. Leider weiß ich nicht mehr, ob ich dabei Spaß hatte, vermutlich eher weniger. Bei mir kam das Interesse an Sprachen erst im Jugendalter auf.
In späteren Schuljahren gab es kaum linguistische Anteile, Themen wie eben beschreiben waren nie präsent. Wir lasen viel und mussten dazu verschiedene Texte verfassen. Um die Sprache selbst haben wir uns wenig gekümmert. Nur im Englischunterricht kam das Thema Dialekt bzw. Varietät zur Sprache, wenn es um Unterschiede zwischen Britischem und Amerikamischen Englisch ging. Auch die Mehrsprachigkeit innerhalb der Klasse war selten ein Thema, heute ein fester Baustein im Rahmenplan. Trotzdem ist das Fach Deutsch traditionell sehr auf Literatur und (normative) Sprachbildung ausgelegt, für mich ein Zeichen fehlender Weiterentwicklung des Faches.
Seit ich selber schulpflichtige Kinder habe und in ihr Lernen eingebunden bin, merke ich wie wenig linguistisches Wissen in der Schule vermittelt wird. Das betrifft nicht nur das Fach Deutsch, sondern auch Politik oder Ethik, denn mit diesen Fächern überschneiden sich die Lerninhalte, z.B. Sprachpolitik oder Sprachprestige. Ich hoffe, dass linguistische Anteile stärker eingebaut werden, vor allem in höheren Klassenstufen. Das Verständnis für Sprache und Sprachstrukturen ist der Schlüssel zur Welt!
An wieviel linguistische Themen in der Schule kannst du dich erinnern? Oder bist du Lehrkraft? Dann teile deine Sicht zu dem Thema mit uns!
Quelle
Bildungsserver Berlin : https://bildungsserver.berlin-brandenburg.de/fileadmin/bbb/unterricht/rahmenlehrplaene/Rahmenlehrplanprojekt/amtliche_Fassung/Teil_C_Deutsch_2015_11_10.pdf
