
Seit Langem ist Kanada Ziel vieler europäischer Auswanderer. Die Menschen verließen ihre Heimat, um eine neue, vielleicht bessere, zu finden. Diesen Wunsch hatte auch eine Gruppe aus Russland: die Duchoborzen.
Zu Beginn des 18. Jahrhunderts bildete sich in Russland eine religiöse Bewegung, deren Vorstellungen von der russisch-orthoxoden Kirche abwich. Trotzdem gestand man ihnen eine gewisse Freiheit zu, weil sie sonst den Pflichten wie Steuerzahlungen etc. nachkamen. Jedoch lehnten sie den Militärdienst ab, da sie grundsätzlich pazifistisch eingestellt waren.
Katharina II. und die späteren Zaren waren weniger tolerant und verfolgten die Mitglieder der Bewegung. Das führte dazu, dass viele Duchoborzen aus Russland in Richtung Kaukasus zogen, wo die Lebensbedingungen zunächst besser erschienen. Doch auch hier waren sie Diskriminierungen ausgesetzt, was zu einer Auswanderungswelle der Duchoborzen nach Kanada führte. In den späten 1890er Jahren verließen ca. 6000 Menschen ihre Heimat in Richtung Kanada, jedoch ohne die Möglichkeit nach Russland zurückzukehren. Im Laufe der nächsten Jahre kamen nochmals 3000 Menschen nach.
Sie siedelten in Saskatchewan, wo die kanadische Regierung ihnen Land zur Verfügung stellte. Da die meisten einfache Bauern und Handwerker waren, wurden rasch Siedlungen errichtet, nach den Vorstellungen der Bewegung als eine Art Gemeinschaftswohnhäusern mit kollektiver Verwaltung des Landes.
Die Duchoborzen waren nicht nur Pazifisten, sie lehnen sogar das Priesteramt und die staatliche Vorgaben, z.B. die Schulpflicht, ab. Das führte auch in Kanada schnell zu Konflikten mit der Regierung, zeitweile wurden die Anführer der Gruppen inhaftiert und die Kinder zwangsbeschult. Der Lebensstil wurde mehr als kritisch beäugt, die fehlende Assimilation galt als verdächtig. Die Weigerung der Duchoborzen für Kanada im Ersten Weltkrieg zu kämpfen, sorgte unter der kanadischen Bevölkerung zu Ablehnung dieser Gruppe. Gegen die Maßnahmen der Regierung protestierten die Duchoborzen, teils mit friedlichen Nackt-Märschen, aber teils auch mit Brandanschlägen, verübt von einer Untergruppe. Ein weiteres Problem war die Verweigerung des Treueides auf die britische Krone, den kanadische Bürger leisten mussten. Hier spaltete sich die Gemeinschaft, mitunter verließen Menschen die Gemeinschaft, andere beharrten auf ihren Glaubensgrundsätzen.
Bis heute ist die Zahl der Duchoborzen rückläufig, bei den letzten Volkszählungen gaben nur noch knapp 3800 Menschen ihre Identität als Duchoborzen an, wobei die meisten über 65 waren.
Besonders interessant ist, aus meiner linguistischen Sicht, die Sprache der Duchoborzen. Sie sprachen bei der Einwanderung alle russisch, aber durch die Trennung zu Russland und den Sprachkontakt in Kanada entstand eine eigene russische Varietät, die auf südrussischen Dialekten beruht.
Ähnlich wie in anderen Sprachinseln, lassen sich Veränderungen der Wortbildung feststellen, genauso wie eine Vereinfachung des Genussystems. Im Duchoborzen-Russisch ist bspw. das Neutrum getilgt worden. Der Wortschatz ist stark vom Englischen beeinflusst, dessen Ursache typischerweise im Sprachkontakt liegt.
Leider nimmt die Zahl der Menschen, die diese Varietät kompetent sprechen können, immer weiter ab. Schätzungen gehen heute nur noch von wenigen hundert Menschen aus, Bestrebungen für eine Revitalisierung gibt es nur vereinzelt. In Gebeten und religiösen Gesängen bleibt die Sprache zwar noch präsent, aber kaum noch im Alltag der Menschen.
In den letzten Jahren hat auch die Forschung diese kleine Gruppe für sich entdeckt, sodass es mittlerweile einige Arbeiten zu dem Thema gibt. Ob sie helfen können die Sprache zu erhalten, wird sich zeigen!
Kennst du noch andere russische Sprachinseln?
Quellen
Makarova Veronika et al. The Language of Saskatchewan Doukhobors: Introduction to analysis. Serija Gumanitarnyje nauki, 2011
Schaarschmidt, Gunter. The Maintenance and Revitalization of Doukhobor Russian in British Columbia, Canada: Prospects and Problems. Doukhobor Heritage. Moscow-Pyatigorsk: Topical Problems of Communication and Culture, Collection of Research Articles of International Scholars, 2023
