
Bei dem Schlagwort ‚Europäische Mehrsprachigkeit‘ denken viele Menschen an die Schweiz mit seinen vier Amtssprachen. Doch ein viel kleineres Land zeigt uns ebenso wie Mehrsprachigkeit funktioniert: Luxemburg.
Das Land hat eine lange, wechselhafte Geschichte und ist als Mitinitiator der Europäischen Charta der Regional- und Minderheiten ein Vorreiter für die sprachliche Vielfalt in Europa. Als Amtssprachen sind neben Luxemburgisch auch Deutsch und Französisch.
Mit weniger als 700.000 Einwohner*innen ist Luxemburg neben seinen Nachbarn sehr überschaubar, der Anteil von Menschen anderer Nationen beträgt 47%, wobei besonders Menschen aus Portugal und Italien die größten Gruppen darstellen, deren Länder nicht direkt angrenzen. Viele arbeiten in Luxemburg, haben ihren Wohnsitz aber in Nachbarländern.
Die Hälfte Einwohner*innen des Landes sprechen Luxemburgisch (Lëtzebuergesch), dessen Status lange Zeit der eines deutschen Dialektes war, als Erstsprache. Die Zahlen der Erstsprachen und der verwendeten Sprachen in Schule, Arbeit oder Medien stimmen kaum überein, weil die Sprachen wie Portugiesisch oder Italienisch zwar von vielen Menschen im familiären Kontext gesprochen werden, außerhalb aber wenig Beachtung finden. Dafür sind die drei Amtssprachen überall präsent. Hier wird meist nach Situation unterschieden und sich dementsprechend angepasst.
Luxemburgisch ist die Alltagssprache, während Französisch in der Arbeitswelt am gängigsten ist. Deutsch ist in vielen Medien zu finden, obwohl es bei den Erstsprecher*innen mit 3% nur einen kleinen Anteil hat. Alle drei Sprachen können z.B. bei Ämtern verwendet werden, jedoch gibt es keinen Rechtsanspruch auf die Bearbeitung in der Antragssprache. Das ist aber selten ein Problem, weil die meisten Menschen mehrsprachig sind. Gemeinden können, je nach Notwendigkeit, ihre Mitteilungen in mehreren Sprachen veröffentlichen. Häufig finden sich auch Englisch oder Portugiesisch darunter, wenn der Bevölkerungsanteil es erfordert.
Interessanterweise ist Deutsch meist die Unterrichtssprache in der Grundschule, was der Anteil der Erstsprechenden kaum vermutet lässt. Trotzdem werden immer auch Französisch und Englisch in der Grundschule unterrichtet. In den weiterführenden Schulen wird mehr Wert auf das Französische gelegt, aber jede Schule muss auch Fächer auf Luxemburgisch unterrichteten, so dass die Schüler*innen mündliche und schriftliche Kompetenzen in allen drei Amtssprachen erwerben. In vielen Fällen bieten die weiterführenden Schulen zusätzliche Fremdsprachen an, die sind fakultativ. Das mehrsprachige Konzept zieht sich auch durch die universitäre Landschaft.
Anders als in der Arbeitswelt dominiert Deutsch die Printmedien, wobei es auch Zeitungen usw. in französischer und luxemburgischer Sprache gibt. Die Radiosender stellen sich auf die vorhandene Mehrsprachigkeit ein und senden in verschiedenen Sprachen.
Als verbreitetste Gebärdensprache wird in Luxemburg die Deutsche Gebärdensprache verwendet, hat aber keinen Schutzstatus. Als eine, nicht anerkannte, Minderheitensprache existiert noch Jenisch. Gesprochen in wenigen Landesteilen, findet es kaum Beachtung, anders als z.B. in der Schweiz.
Nutzt du in deinem Alltag mehrere Sprachen?
Quellen
