
Seit zu Beginn des 12. Jahrhunderts hat sich im Saterland eine der friesischen Sprachen von den anderen getrennt entwickelt: das Saterfriesische. Heute ist die Sprache nur noch in vier Ortschaften verbreitet und vom Aussterben bedroht, ein Schicksal vieler Minderheitensprachen. Eine optimistische Schätzung geht von 1500 Sprecher*innen aus, wobei die Sprachkompetenz variiert.
Saterfriesisch (Seeltersk) ist die letzte der ostfriesischen Sprachen, die dem westgermanischen Sprachzweig, wie z.B. Niederdeutsch oder Englisch, angehört. Seit 1999 ist Saterfriesisch durch die Europäische Charta der Regional- und Minderheitensprachen in Deutschland geschützt. Das bedeutet unter anderem, dass im Saterland zweisprachige Beschilderungen vorhanden sind und die Sprache in Kitas und Schulen unterrichtet wird.
Die geringe Zahl der Sprecher*innen hat auch zur Folge, dass der Dialektreichtum bis heute auf drei Dialekte geschrumpft ist, die sich nur noch wenig voneinander unterscheiden. Die Standardsprache, soweit sich davon sprechen lässt, ist im Vergleich zu den anderen friesischen Sprachen eher konservativ, d.h. im Laufe der Zeit hat es sich nur wenig verändert.
Im Vergleich zum Deutschen, das 16 Monophthonge und 3 Diphthonge besitzt, kommt das Saterfriesische auf 21 Vokale und 16 (!) Diphthonge, da die Vokallänge dabei auch bedeutungsunterscheidend ist. Das Konsonanteninventar ähnelt dem Deutschen, allerdings mit zahlreichen Anpassungen bei bestimmten Folgelauten, deren Nennung hier den Rahmen sprengen würde. Die vielen Laute machen eine standartisierte Schreibung schwierig, daher gab es lange keine bzw. verschiedene Vorschläge.
Morphologisch gesehen lassen sich viele Ähnlichkeiten zum Deutschen erkennen: Es gibt ein Artikelsystem und 3 Genera, Wortbildungsverfahren wie Komposition usw. Eine Besonderheit ist das Vorhandensein zweier Infinitive, typisch für das Friesische. Auch wenn die Sprache klein ist, an Grammatikbüchern fehlt es ihr nicht, also lest euch gerne mal rein.
Es ist nicht verwunderlich, dass das Saterfriesische über viele Entlehnungen aus dem Standarddeutschen verfügt, sie werden aber oft an die friesische Aussprache und Schreibung angepasst. Doch besonders im Grundwortschatz finden sich Wörter altfriesischer Herkunft, die in den anderen friesischen Sprachen nicht mehr verwendet werden. Das macht die Sprache erst recht interessant!
Mittlerweile kann man eine Menge Literatur zum und auf Saterfriesisch finden, historische und moderne Texte. Auch Sprachkurse werden immer beliebter, als Onlinekurs oder direkt vor Ort.
Quellen
Munke, Horst Haider (Hrsg.). Handbuch des Friesischen. Niemeyer. Tübingen 2001
