
Von den keltischen Sprachen sind einige schon lange ausgestorben, u.a. Kumbrisch. Andere werden seit einigen Jahrzehnten wiederbelebt, eine davon ist Manx/Gaelg Vanninagh auf der Isle of Man.
Manx ist eine inselkeltische Sprache und eng mit den gälischen Sprachen in Irland und Schottland verwandt. Das Sprachgebiet, die Isle of Man, ist eine Britische Inseln mit einem autonomen Status und eigener Währung. Bis zur Annektierung durch England im 18. Jahrhundert sprach die gesamte Bevölkerung der Insel Manx, doch dann drängte das Englische Manx immer weiter zurück. 1974 starb der letzte Muttersprachler.
Zum Glück hat es die Jahre zuvor Menschen gegeben, die die Sprache retten bzw. dokumentieren wollten, sodass es heute immerhin Aufnahmen von den letzten muttersprachlichen Personen gibt, für die Revitalisierung ein unfassbar wertvoller Schatz. Mit diesen Tonaufnahmen und einigen engagierten Aktivist*innen ist es gelungen, dass es heute wieder Sprecher*innen gibt, davon einige sogar als Erstsprecher*innen. Zählungen ergaben 2021 rund 2000 Menschen, die die Sprache nutzen, allerdings ist der Kompetenzgrad sehr verschieden. In den Schulen wird Manx mittlerweile als Schulfach angeboten, es gibt zweisprachige Beschilderungen und Radiosendungen.
Das Gebiet ist sehr begrenzt, die Insel ist etwa 2x so groß wie Bremen, aber genau diese relative Abgeschiedenheit und Autonomie begünstigen die Revitalisierungsbemühungen. Und nicht nur die Sprecherzahlen auf der Insel steigen, auch weltweit können durch das Internet etc. Menschen leicht an Lernprogrammen teilnehmen. Literatur existiert meist nur in religiösen Schriften oder Liederüberlieferungen.
Manx ist zwar eine keltische Sprache, weist allerdings auch nordgermanische Eigenschaften auf, was auf Sprachkontakt hinweist, wahrscheinlich um das 9. Jahrhundert. Und trotz der Verwandtschaft zum Gälischen, lassen sich viele Unterschiede finden, ebenfalls durch die isolierte Lage entstanden.
Aufgrund der Tonaufnahmen lassen sich mindestens ein nördlicher und ein südlicher Dialekt unterscheiden, die vor allem phonologischen Unterschiede aufwiesen.
Generell liegt die Betonung auf der ersten Silbe, wobei es bei Langvokalen eine Akzentverschiebung geben kann. Manx ist reich an Plosivlauten und Nasallauten, im Vergleich zum Deutschen. Die Vokale kommen in langer und kurzer Variante vor, das Inventar der Diphthonge und Triphthonge macht um die 20 Laute aus.
Manx nutzt jeweils zwei Genera (maskulin/feminin) und zwei Numerus (Singular/Plural), den bestimmten Artikel, außerdem einen Ruffall/Vokativ wie es auch in Sprachen wie Tschechisch oder Litauisch vorkommt. Wie im Baskischen und Dänischen nutzt Manx ein Vigesimalsystem für Zahlen. Der Großteil des Wortschatzes ist keltisch, aber es gibt viel aus dem Altnordischen, Lateinischen und Englischen.
Die Zukunft der Sprache ist stark von dem Engagement der Menschen vor Ort abhängig, eine lebendige Kultur, neue Literatur und die Ausbildung von Lehrkräften sind eine gute Basis für Revitalisierung dieser Sprache.
Sollte man ausgestorbene Sprachen revitalisieren? Was denkst du?
Quellen
Broderick, George. A Handbook of Late Spoken Manx. Volume 1, Grammar and Text. De Gruyter, Reprint 2011, Berlin
