Plansprachen – Ein kurzer Überblick

Eine Plansprache ist eine künstlich konstruierte Sprache, die sich (meist) durch einfache und regelhafte Grammatik, auf Basis bekannter Sprachen auszeichnet. Sie soll die Kommunikation zwischen Sprechern verschiedener Sprachen erleichtern und als Verkehrssprache dienen, ohne dass die Sprecher ihre Muttersprache aufgeben müssen.

Die Liste der existierenden Plansprachen ist lang. Man findet sie rund um den Globus, mal mehr mal weniger fertig konstruiert und verschieden komplex. Von Hildegard von Bingen gibt es Aufzeichnungen, die auf eine einfache Plansprache hinweisen, aber es gibt nur einige wenige Begriffe. Ob es mehr gab, kann man nicht mehr nachweisen.

Die ersten Plansprachen, die wirklich gut dokumentiert sind, entstanden im 19. Jahrhundert. Berichte über frühere Versuche können wegen der mangelnden Datenlage nicht bestätigt werden.

Interessant sind die Ansätze, die von den „Sprachplanern“ verwendet wird. Die allererste dokumentierte Plansprache ist Solresol, die 1817 von François Sudre auf einer musikalischen Grundlage geschaffen wurde. Die Sprache ist durch die kaum vorhandenen Beziehungen zu anderen Sprachen schwer zu lernen.

1879 ist Volapük geschaffen worden. Es basiert auf dem Wortschatz germanischer und romanischer Sprachen, ist aber morphologisch (d.h. wortbildend) so stark verändert worden, dass es als schwer zu erlernen gilt. Volapük war einem breiten Publikum bekannt, heutzutage gibt es aber kaum noch Sprecher. Obwohl die ersten Jahre nach Aufkommen des Volapüks erfolgsversprechend waren, verdrängte einen andere, heute noch bekanntere Plansprache das Volapük: Esperanto.

Esperanto ist die mit Abstand erfolgreichste Plansprache. Es wurde von Ludwik Lejzer Zamenhof, etwa 1887 erschaffen. Zamenhof stammte aus der multilingualen Gesellschaft des Russischen Reiches, zu Hause sprach mit dem Vater russisch, mit der Mutter jiddisch. Außerdem beherrschte er (meist fließend) Deutsch, Polnisch, Französisch, Englisch, Latein, Griechisch und Hebräisch. Er konnte dementsprechend viele Sprachvergleiche anstellen und entwickelte Esperanto auf Grundlage vieler europäischer Sprachen. Man geht heute von etwa 2 Millionen Sprechern, die Esperanto als Fremdsprache sprechen und etwa 1000 Muttersprachlern.

Es gibt noch einige weitere Plansprachen, die nennenswert sind. Interlingua, das 1903 von Giuseppe Peano entwickelt wurde und auf dem Lateinischen beruht. 1907 haben Louis Couturat und Louis de Beaufront Esperanto zu Ido vereinfacht. Und 2006 entwickelten Linguisten Interslawisch (Medžuslovjansky, Меджусловјанскы), eine slawische Plansprache, die rein auf slawischen Sprachen beruht.

Ein letztes Beispiel für eine bekannte, aber von wenigen Menschen gesprochene Plansprache ist Klingonisch, das den meisten Menschen aus den Star-Trek-Filmen bekannt ist. Einige eingefleischte Fans erlernten Klingonisch, für die Kommunikation eignet sie sich jedoch nicht, denn der Wortschatz ist nicht alltagstauglich und die Grammatik nicht komplex genug, um alle Kommunikationssituationen auszudrücken.

Allgemein kann man sagen, dass sich Plansprachen in ihrem Aufbau ähneln. Sie besitzen meist (Ausnahmen gibt es immer) eine einfache und regelmäßige Grammatik und einen systematisch ableitbaren Wortschatz, der natürlichen Sprachen oft ähnelt, um das Erlernen zu vereinfachen.

Nun kann man sich zurecht fragen warum man eine Plansprache sprechen lernen sollte! Es gibt so viele natürliche Sprachen und definitiv nicht genug Zeit alle zu beherrschen, warum also Esperanto oder Volapük oder…  lernen?

Es gibt kaum Menschen, die eine der Plansprachen als Muttersprache sprechen (Angaben darüber sind mehr als vage!) und daher auch kaum Kommunikationspartner außerhalb ihrer Sprachgemeinschaft finden. Sie sind gezwungen auf andere Sprachen auszuweichen, wachsen fast immer zweisprachig auf. Es ist schwierig Literatur zu finden, die in eine Plansprache übersetzt oder sogar original verfasst wurde. Das macht es fast unmöglich eine allgemeine Schulbildung zu erwerben, die komplett in der jeweiligen Plansprachen gestaltet wird.

Außerdem ist es so gut wie unmöglich die zwischen den natürlichen Sprachen auftretenden Schwierigkeiten wie verschiedene Aussprachen, Betonungen oder Grammatiksystemen so unter einen Hut zu bringen, dass Sprecher weltweit die jeweilige Plansprachen problemlos lernen können: Denken wir an Sprachen, die kein Kasussystem kennen und jetzt zwischen Nominativ, Akkusativ etc. unterscheiden sollen oder Sprachen ohne Verbflexion.

Durch das Argument, dass es ja in unserer heutigen Welt eine sehr dominante Verkehrssprache (Englisch) und mehrere sehr große Sprachen gibt, mag es den meisten Menschen wie verlorenen Zeit vorkommen eine Sprache zu erlernen, die nicht im Alltag einsetzbar ist. Es scheint eher ein sprachwissenschaftliches Experiment zu sein.

Bis heute existieren etwa 500 Plansprachen und anhand der Menge aller Plansprachen lässt sich das Interesse für dieses sprachliche Gebiet deutlich machen.

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