Volapük

Heute schon fast in Vergessenheit geraten, entstand zum Ende des 19. Jahrhunderts eine Plansprache, die großes Aufsehen und (in der ersten Zeit) eine große Anhängerschaft gewann: Volapük, eine auf europäischen Sprachen wie Englisch, Deutsch, Spanisch, Italienisch und Russisch basierenden Sprache (Aposteriori-Plansprache), dessen Name sich aus den englischen Worten ‚world‘ und ‚speak‘ zu ‚Weltsprache‘ zusammensetzt.

Im Jahr 1879, also einige Jahre vor Esperanto, stellte sein Erfinder Johann Martin Schleyer sie der Öffentlichkeit vor. Seine Idee, eine Sprache zur Verständigung der Völker, vereint alle weiteren Plansprachen miteinander. Volapük verbreitete sich schnell auf der Welt, es sollen in den ersten Jahren 1 Mio. Menschen gesprochen haben (verlässliche Quellen gibt es keine). Zur Verbreitung bildete man Volapük-Lehrer aus, etwa 900 gab es, die in Vereinen organisiert waren.

Schleyer schrieb Grammatiken und Wörterbücher, Zeitungen berichteten über diese neue Sprache und 1881 erschien sogar eine eigene Volapük-Zeitschrift. Schleyers Dominanz, die Ursprünglichkeit seiner Idee und die Sprachentwicklung in seinen Händen zu halten, wirkte sich ungünstig auf die Verbreitung aus.

Das Alphabet besteht aus 27 Buchstaben, geschrieben wird in lateinischer Schrift. Die Aussprache orientiert sich stark am Deutschen, einige Ausnahmen wie <c> als stimmloses /tʃ/ oder <j> als stimmhaftes /ʃ/ bzw. /ʒ/ tragen eindeutig englische Züge.

Morphologisch betrachtet ist Volapük eine agglutinierende Sprache, d.h. die Wörter werden durch das Anhängen von Vor- und Nachsilben gebildet. Das hat den Nachteil, dass die Begriffe immer länger werden, je komplexer ihre Bedeutung ist. Dabei haben bestimmte Silben eine feste Funktion, z.B. zeigt die Endung -ön eine Verbgrundform (Infinitiv) an oder die Vorsilbe ji- ein feminines Nomen.

Wie im Deutschen besitzt Volapük 4 Kasus, das ist für Sprecher*innen anderer Sprachen z.B. des Russischen leichter, aber für z.B. englische Sprecher*innen schwerer zu erlernen. Komplexe Nomen können durch Zusammensetzung erzeugt werden, nach deutschem Vorbild. Die Konstruktion des Wortschatzes ist durch strikte Regel vereinheitlicht. So beginnen und enden Nomen immer auf Konsonanten, Zahlen ebenfalls mit alphabetisch verteilten Vokalen (1 bal, 2 tel,3 kil …).

Die Vielzahl an Regeln in allen Bereichen der Sprache erschwert dem Lernenden den Zugang zur Sprache. Aber Schleyer, der selbst viele Sprachen sprach und sich fortwährend mit neuen Sprachen und Dialekten beschäftigte, versuchte bestimmte Schwierigkeiten z.B. in der Aussprache von Beginn an zu vermeiden, weil er allen Menschen das Erlernen ermöglichen wollte. Wobei gerade die enthaltenen Umlaute für viele Sprecher*innen schwer sind.

Nicht nur die Regeln sind kompliziert, auch die eigentliche vorgesehene Ähnlichkeit des Wortschatzes zu den zugrunde liegenden Sprachen ist kaum zu erkennen, sodass Volapük sehr abstrakt ist, anders als z.B. Esperanto, dessen Wortschatz gut zu erkennen ist. Entlehnungen oder Internationalismen werden im Volapük kaum zugelassen oder sehr stark verändert.

Die heutige Bedeutung von Volapük ist kaum nennenswert, ebenso wie die Sprecherzahl. Schon kurz nach dem Erscheinen des Esperantos haben sich die meisten Anhänger*innen des Volapüks der Esperantogemeinschaft angeschlossen, die bis heute aktiv ist. Das historische Erbe des Volapüks wird zwar noch von einigen gepflegt, aber im allgemeinen Gedächtnis der Menschen ist es verschwunden.

Doch das Besondere an Volapük als Wegbereiter auf dem Gebiet der Plansprachen, seine große Verbreitung in den ersten Jahren und die Idee der Völkerverständigung durch Sprache, lohnt die Erwähnung.  

Quellen

Blanke, Detlev. Interlinguistische Beiträge: zum Wesen und zur Funktion internationaler Plansprachen. Frankfurt am Main 2006

Schleyer, Johann Martin. Volapük, die Weltsprache: Entwurf einer Universalsprache für alle Gebildete der ganzen Erde. Olms, Hildesheim 1982

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