
Als ein sehr dünn besiedeltes Land weist Rumänien eine erstaunlich vielfältige Bevölkerung auf. Nach der letzten Volkszählung 2021 gehören knapp 25% der Bevölkerung einer ethnischen Minderheit an.
Historisch betrachtet war das heutige Rumänien Teil verschiedener Einflussbereiche, z.B. Römer, Ungarn und Habsburg, und zeitweise auch eigenständig als Fürstentum oder Königreich. Da ist es keine Wunder, dass Rumänien heute eins der multikulturellsten Länder in Europa ist, in denen viele Minderheiten leben, die sich oft in bestimmten historisch gewachsenen Regionen konzentrieren wie Siebenbürgen oder der Bukowina und schon seit Jahrhunderten dort ihre Heimat haben. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Minderheiten systematisch unterdrückt und gesellschaftlich benachteiligt.
Insgesamt sind 18 Minderheiten in Rumänien anerkannt, die zum Teil eine eigene Sprache sprechen und deren Rechte von parlamentarischen Vertretern gesichert werden, wobei das nicht alle Minderheiten des Landes sind. Auf nationaler und europäischer Ebene sind die Rechte der anerkannten Minderheiten gesetzlich verankert. Schon 1995 hat Rumänien die Europäische Charta der Regional- und Minderheitensprachen unterschrieben, in Kraft getreten ist sie aber erst 2008. In Regionen mit einem Anteil von mindestens 20% einer Minderheit ist die Verwaltung zweisprachig und die Beschulung in der jeweiligen Sprache vorgeschrieben.
Die „großen“ Minderheiten Rumäniens sind Ungarn, Roma, Deutsche, Armenier, Italiener, Bulgaren, Griechen, jüdische Gemeinschaften, lipowenische Russen, Kroaten, Albaner, Tataren, Ukrainer, slawische Makedonier, Serben, Ruthenen, Türken, Slowaken und Tschechen, Polen.
Die größte Minderheit sind die Ungarn (ca. 6%), deren Heimat Siebenbürgen ist, das vor dem Ersten Weltkrieg noch zu Ungarn gehörte. Daher ist das Verhältnis zu Rumänien von Skepsis und Vorurteilen geprägt. Immer wieder haben die Ungarn im Land versucht ihrer Region mehr Autonomie zu verschaffen, was zur Auseinandersetzungen in den letzten Jahrzehnten führte.
Ebenfalls in Siebenbürgen leben viele Deutsche, unter anderem die Siebenbürger Sachsen und Banater Schwaben, die seit dem 12. Jahrhundert in diesen Gebieten siedeln. Ein großer Teil von ihnen wurde nach 1945 in die Sowjetunion deportiert, bis 1990 siedelten fast 200.000 Menschen nach Deutschland über. Heute ist die deutsche Minderheit mit 0,2% sehr klein, hält aber an Traditionen und Sprache fest. Eine bekannte Vertreterin dieser Minderheit ist die Nobelpreisträgerin Herta Müller.
Eine viel größere Gruppe, genaue Zahlen sind nicht vorhanden, sind Roma. Schätzungen gehen von 2,5 Millionen aus, aber laut Volkzählung leben etwa 600.000 in Rumänien. Diese Gruppe ist die ärmste und sozial am schlechtesten gestellte, da sie schon jahrhundertelang Vorurteilen und Diskriminierungen ausgesetzt war und bis heute ist.
Im Laufe der Zeit haben sich viele Minderheiten assimiliert, wobei sie seit 1990 bessere Bedingungen für die Bewahrung und Pflege von Sprache und Kultur erleben. Die kulturelle Vielfalt des Landes ist ein Schatz, den die Menschen vor Ort bewahren, soweit sie können. Wer mal eine Reise nach Rumänien macht, wird die kulturelle Vielfalt auch ohne Hintergrundwissen erkennen, z.B. an der Architektur oder der regionalen Küche.
Welche Region Rumäniens würdest du gerne bereisen?
Quellen
Corsini, Umberto & Davide Zaffi. Die Minderheiten zwischen den beiden Weltkriegen. Duncker & Humblot. Berlin 2019
https://www.planet-wissen.de/kultur/suedosteuropa/rumaenien/pwierumaenienethnien100.html
