Finnisch – die kleine Schwester des Schwedischen?

Viele Finnen sprechen Schwedisch und umgekehrt. Da kommt schnell die Vermutung auf, dass beide Sprachen miteinander verwandt sein müssen, oder?! Tja, das ist leider falsch. Finnisch gehört zur Familie der finno-ugrischen Sprachen, ist also verwandt mit Estnisch und Ungarisch, wenn auch entfernt. Die geografische Nähe zu Schweden spielt hier keine Rolle.

Finnisch (Eigenbezeichnung suomi) ist eine der zwei Amtssprache in Finnlands, neben Schwedisch, und wird außerdem noch in Teilen Norwegens, Schwedens und Russland gesprochen und ist eine der EU-Amtssprachen. Insgesamt geht man von etwa 5 Millionen Sprecher*innen weltweit aus. Damit ist Finnisch eine eher kleine Sprache.

Der Ursprung kann nicht eindeutig belegt werden. Wahrscheinlich fand die Abspaltung des Finnischen von den anderen verwandten Sprachen etwa vor 3000 Jahren statt. Der intensive Sprachkontakt mit germanischen und baltischen Sprachen zeigt sich im Wortschatz des Finnischen, sonst sind die Ähnlichkeiten sehr gering. Da die finnische Sprache nicht mit indoeuropäischen Sprachen wie Deutsch, Tschechisch oder Spanisch verwandt ist, ist das Erlernen der Sprache ein lernintensives Projekt. Grammatik, Wortschatz und Klang sind ungewohnt und erfordern viel Fleiß.

Die Anzahl der Dialekte ist überschaubar, aber Angesicht der Sprecher*innenzahl doch zahlreich. Es wird zwischen den West – und Ostdialekten unterschieden. Die meisten Dialekte sind untereinander verständlich. Je nach Region erkennt man die Einflüsse von Kontaktsprachen in den jeweiligen Dialekten.

Finnisch wird in lateinischer Schrift geschrieben und besitzt eine phonetische Schreibung, d.h. ein Buchstabe repräsentiert einen Laut. Nur vereinzelt werden spezielle Ausspracheregeln wie z.B. die Auslautverdopplung nicht verschriftlicht. Buchstaben wie <c, q, w, x, z> kommen nur in Fremdwörtern vor.

Die ältesten Quellen einer finnischen Standardsprache stammen aus der Zeit der Reformation. Eine wichtige Rolle spielt dabei Mikael Agricola, ein Bischof aus dem 16. Jahrhundert, der viele Texte ins Finnische übersetzt hat unter anderem das Neue Testament.

Das Konsonanten- und Vokalinventar des Finnischen ist überschaubar und es gibt nur wenige Laute, die für Deutschen schwierig sind, z.B. werden die Konsonanten kaum behaucht. Aber Finnisch besitzt wesentlich mehr Diphthonge (so etwas wie <au>) als das Deutsche, je nach Zählweise bis zu 18! Ein interessantes Detail ist auch die vorherrschende Vokalharmonie, bei der nur bestimmte Vokale zusammen auftreten können. Das findet man auch im Ungarischen und in vielen Turksprachen.

Finnisch ist eine agglutinierende Sprachen, d. h. die grammatischen Merkmale werden nacheinander gereiht und ergeben lange Wortketten. Es gibt 14 Kasus, davon acht Lokalkasus! Es werden keine Genera (maskulin, feminin, neutrum) unterschieden und auch die Artikelnutzung existiert nicht. Innerhalb der Deklination von Substantiven und Adjektiven gibt es viele Lautwechsel.

Die normale Wortfolge ist SVO, aber je nach Kontext kann sie auch frei sein, wobei dann die Satztypen entscheidend sind.

Die Finnen haben einen reichen Sagen- und Mythenschatz, der eng mit der Sprache verbunden ist. Das Nationalepos, das Kalevala, zeugt von dieser Verbundenheit. Mittlerweile sind viele der ehemals mündlich überlieferten Geschichten und Lieder aufgeschrieben worden. Die modern finnische Literatur erfreut sich auch in Deutschland immer größerer Beliebtheit.

Quellen

Molan, Harald. Grammatikübungsbuch Finnisch. Buske, Hamburg 2014

Schellbach-Kopra, Ingrid. Finnisch. Lexikon der Sprachen des europäischen Ostens. Wieser Verlag, Klagenfurt/Celovec 2002

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

*