Masuren

Das Land der tausend Seen, so werden die Masuren (polnisch Mazury) oft genannt. Die Region liegt in der polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren und ist, wie viele historische Regionen, geografisch nur ungefähr definierbar.

Zum Gebiet der Masuren gehören u.a. die Städte Giżycko (dt. Lötzen), Mikołajki (dt. Nikolaiken), Pisz (dt. Johannisburg), Kętrzyn (dt.Rastenburg) und Węgorzewo (dt.Angerburg). Die vielen Seen der Masuren entstanden auf einer Moränenlandschaft, deren kleine Erhebungen mit Rinnen durchzogen sind, die sich nach der letzten Eiszeit mit Wasser füllten. Die größten Seen sind der Śniardwy (Spirdingsee) und der Mamry (Mauersee). Zwischen den Seen sind die Masuren mit dichten Wäldern bewachsen, von denen große Gebiete unter Naturschutz steht.

Die Besiedlung der Masuren mit unterschiedlichen Völkern wechselte aufgrund der politischen oder auch kriegerischen Lage mehrfach. Zur Zeit der Christianisierung durch den Deutschen Orden im 13. Jahrhundert lebten dort prußische und polanische Stämme. Nach der Eroberung gehörte das Gebiet zum Deutschordensstaat, ab 1506 herrschte Sigismund I. als polnischer König, seit 1525 in der Funktion eines Suzeräns des Herzogtums Preußen. In der Machtspanne des Deutschen Ordens siedelten sich viele deutsche und masowische Siedlerfamilien in den Masuren an, so dass der Anteil der prußischen Bevölkerung sank.

Das ursprünglich weitverbreitete Masurisch (eine dem Polnischen ähnliche Sprache) nahm zugunsten des Deutschen, von westlich kommend, immer weiter ab. Im nördlichen Teil wurde neben Polnisch auch Litauisch gesprochen.

Die Herrschaft der Preußen und die Reformation bewirkten bei der Mehrheit einen Übertritt zum Protestantismus. Die Besiedlung des Gebietes war eher dünn, außerdem gab es nur wenige große Städte. Die Bevölkerung lebte vorwiegend auf dem Land und von der Land- bzw. Fischwirtschaft. Mit der Machtzunahme der Preußen im 18.und 19. Jahrhundert verstärkte sich der Assimilationsdruck auf die masurische Bevölkerung. Die Schulpflicht, die Wehrpflicht und ein großer Verwaltungsapparat verstärkten die eindeutschenden Tendenzen. Die oft wirtschaftliche schlechte Lage in den Masuren bewegte große Teile der Bevölkerung zum Umzug in Industriezentren wie dem Ruhrgebiet, deren Nachfahren bis heute dort leben.

Nach dem Ersten Weltkrieg verblieb das Gebiet zwar bei Deutschland, wurde aber durch den polnischen Korridor vom Rest des Landes getrennt, was sich besonders ungünstig auf die Wirtschaft und die Entwicklung der Region auswirkte. Sie blieb ländlich geprägt, mit konservativer Verwaltung.

Die Grenzneuziehung nach dem Zweiten Weltkrieg bedeutete für die deutsche Bevölkerung den endgültigen Verlust ihrer Heimat. Masuren gehört nun zu Polen. Die verlassenden Häuser und Siedlungen wurden u.a. den vertriebenen Polen aus den ehemalig ostpolnischen Gebieten (die ‚Kresy‘) zugewiesen, was man linguistisch gut am Vorkommen der sogenannten ‚neuen gemischten Dialekte‘ erkennen kann. Ihre Sprecher*innen kamen u.a. aus dem heutigen Lemberger Raum, Litauen und Belarus.

Bis heute ist die Region industriell kaum erschlossen, punktet aber durch Holzwirtschaft, touristische Attraktivität und vielfältige Wassersportmöglichkeiten. Die kleinen Städte wie Mikołajki haben sich zu touristischen Zentren entwickelt und locken jährlich zehntausende Besucher aus dem In- uns Ausland an.

Bekannte Masuren sind z.B. der Schriftsteller Siegfried Lenz (1926 – 2014), der Dichter Friedrich Karl August Dewischeit (1805 – 1884) und die Widerstandskämpferin Elisabeth Adelheid Hildegard von Thadden (1890 – 1944).

Das Wappen der Masuren zeigt den herzoglich-preußischen Adler mit einer Krone und der Majuskel ‚S‘, die für den polnischen König Sigismund I. steht.

Quellen

Kossert, Andreas. Ostpreussen – Geschichte und Mythos. Siedler-Verlag, Berlin 2005

Micklitza, André. Masuren. Trescher Verlag, Berlin 2022

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