Märchen – der Kampf Gut gegen Böse

Hexen, Feen, sprechende Tiere und vieles mehr….. im Märchen gibt es alles, was das Geschichtenherz begehrt!

Jeder von uns hat sein Lieblingsmärchen, eine Geschichte, die man als Kind immer und immer wieder vorgelesen haben wollte! Später konnte man sich selber das Märchenbuch schnappen oder lässt das Märchen einfach im Kopf ablaufen. Mein Lieblingsmärchen ist definitiv „Tischlein deck dich“. Wer es nicht kennt, lesen lohnt sich!

Märchen sind eng verwandt mit Sagen und Mythen, sind frei erfunden und zeigen keine Anhaltspunkte für Ort und Zeit. Die Personen und Tiere in Märchen sind eingeteilt in gut und böse, wiederkehrende Charaktere weisen meist ähnliche Eigenschaften auf z.B. die böse Hexe oder der gutaussehende, heldenhafte Prinz u.a. Die Vorstellungen der Menschen, wie solche Charaktere zu sein haben, spiegelt die allgemeine Vorstellung von Moral in früherer Zeit wider. Auch religiöse oder spirituelle Aspekte findet man in vielen Märchen wieder. Die Sicht auf die Welt, der Kampf des Guten gegen das Böse usw. wird in Märchen auf verschiedene Arten ausformuliert.

Ursprünglich waren Märchen mündlich überlieferte Geschichten, deren Ursprünge sehr weit zurückliegen. Geschichten dieser Art findet man in allen Teilen der Welt, viele Kulturen sind auf mündliche Überlieferungen angewiesen, denn sie besitzen oft keine Schrift.

Auch im europäischen Raum wurden Märchen lange Zeit innerhalb der Familien und Gemeinschaften weitererzählt. In der Romantik (etwa 1790-1840) kam die Zeit der Märchensammlungen auf. Das soll nicht bedeuten, dass nicht schon früher versucht wurde Märchen zu verschriftlichen, aber das immense Interesse kam in der Romantik. Die berühmten Märchensammler Jacob und Wilhelm Grimm (1785-1863) /(1786-1859), Johann Karl August Musäus (1735-1787) und Ludwig Bechstein (1801-1860) sind in Deutschland die bekanntesten Märchensammler aus dieser sammelwütigen Zeit.

Neben vielen Sammlungen entstanden auch immer weitere Märchen aus der Feder berühmter Schriftsteller und Schriftstellerinnen. Diese orientierten sich einerseits an Mythen oder Legenden, anderseits flossen aktuelle, oft sozialkritische Themen mit ein. Modern Märchen, auch Kunstmärchen genannt, erfreuten sich in der Romantik ebenso großer Beliebtheit. Die Liste der Autoren und Autorinnen ist lang. Einige sind: Wilhelm Hauff (1802-1827), Hans Christian Andersen (1805-1875), Johann Ludwig Tieck (1773-1853), Gottfried Keller (1819-1890) und Božena Němcová (1820-1862). 

Božena Němcová mag vielen unbekannt erscheinen, aber das Märchen und der tschechisch-deutsche Märchenfilm „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ sind fast jedem ein Begriff, oder?!

Volks- und Kunstmärchen sind von der Entstehungsgeschichte zwar unterschiedlich, folgen im Handlungsstrang aber meist den gleichen Regeln. Die Figuren stehen entweder für das Gut oder das Böse. Außerdem besitzen die Figuren oftmals phantastische Fähigkeiten: Tiere können sprechen, Menschen zaubern und es treten immer wieder Fabelwesen wie Drachen u.a. auf. Die Figuren zeigen ihre gute oder böse Seite vor allem durch ihr Handeln. Der Leser bekommt kaum Zugriff aus ihre Gefühle oder Gedanken, so wie wir es aus Romanen kennen.

Die Handlung ist meist unilinear und folgt festen Strukturen. Es entsteht eine Situation, in der einer guten Figur Unrecht geschieht, z.B. wird ein Prinz von einer Hexe verzaubert und erst durch eine gute Tat einer anderen guten Figur wird der Zauber aufgehoben. Die Eigenschaften der Handelnden werden dabei gegenübergestellt: schwach-stark, dumm-klug, arm- reich usw.

Der Leser empfindet Sympathie mit der Person, der Unrecht geschieht, versetzt sich dabei in seine Lage und fiebert einem positiven Ende entgegen. Der Großteil der Märchen hat ein gutes Ende, das Gute siegt über das Böse. Das entspringt vor allem den Wünschen der Zuhörer oder Leser, ist im wahren Leben nicht immer so.

Das grundlegende Thema des Märchens Gut gegen Böse wird in zahlreiche andere Genres übertragen. Wir Menschen lieben Dinge, die mythisch, unerklärlich und ein wenig schaurig sind. Ich erinnere mich gut an die Gänsehaut, wenn die böse Königin Schneewittchen die rote Hälfte des Apfels anbietet und alles in mir schreit: Nimm ihn nicht! Siehst du nicht wer sie ist? Auch wenn ich natürlich wusste, dass am Ende alles gut wird!

Heutzutage könnte man natürlich die Stereotypen der Märchen anprangern, viele tun das und erzählen Märchen in anderen Formen. Na klar, es muss auch nicht immer der heldenhafte Prinz sein, der komischerweise immer wie aus dem Ei gepellt aussieht! Aber in unserem Inneren sind wir Romantiker und Romantikerinnen, wir verraten es einfach keinem!

Andere lehnen Märchen ab, weil sie sehr viel Gewalt beinhalten oder durch die Vernichtung des Bösen am Ende ein Ungleichgewicht in der Welt entsteht. Diese Sichtweisen kann ich gut nachvollziehen. Doch wir teilen unsere Welt immer in zwei Seiten ein, unbewusst und meist ohne böse Absichten. Märchen zeigen uns eine Art Weg im Leben. Klar, jeder sollte seinen eigenen Weg finden, aber nicht immer ist er so geradlinig wie man es geplant hat.

Märchen geben mir immer das Gefühl, dass ich trotzdem irgendwann am Ziel ankomme, mit oder ohne Umwege. Und dass ich es selbst in der Hand habe. Oder dass ich es mit Hilfe anderen Menschen schaffe meine Ziele zu erreichen! Nur von dem Wunsch, den sich selber deckenden Tisch aus dem Märchen zu finden, habe ich mich endgültig verabschiedet!

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