
Im Linguistikstudium sind viele Fakten und Modelle für uns fast selbstverständlich. Aber irgendwann musste jemand diese Dinge erst einmal formulieren und für die Wissenschaft zugänglich machen. Als Slawistin profitiere ich also von den Erkenntnissen vieler kluger Menschen und einer davon war Franz Bopp.
Franz Bopp wurde 1791 in Mainz geboren und wuchs in bescheidenen Verhältnissen auf. Seine Lehrer weckten sein Interesse an Sprachen wie Latein, Griechisch und Sanskrit. Bopp las besonders gerne Schriften über altindische Sprachen wie das Sanskrit und erkannte Zusammenhänge zwischen verschiedene Sprachen. Nachdem er sein Abitur abgelegt hatte, konnte er durch ein Stipendium Bayern nach Paris zum Studium gehen. Dort konnte er nicht nur seine Sanskritkenntnisse vertiefen, sondern hatte auch Zugang zu zahlreichen Schriften in den Pariser Universitätsbibliotheken, die unter anderem von Jean François Pons aus Indien nach Europa gebracht wurden.
Mit 25 Jahren verfasste er die Aufsehen erregende Schrift „Über das Conjugationssystem der Sanskritsprache in Vergleichung mit jenem der griechischen, lateinischen, persischen und germanischen Sprache“, in der er Verbendungen mehrerer Sprachen verglich und damit einen Grundstein für die historisch-vergleichende Sprachwissenschaft legte. Bopp verglich und analysiert historische Verbformen und konnte die von vielen angenommene Sprachverwandtschaft zwischen den indoeuropäischen Sprachen beweisen.
Nach dem Studium in Paris reiste er für einen kurzen Aufenthalt nach Deutschland, dann aber weiter nach London, um sich mit anderen Fachleuten auszutauschen und weitere Kontakte zu knüpfen.
1821 erhielt Bopp die Professur für Sanskrit und vergleichende Grammatik an der Universität zu Berlin, heute Humboldt-Universität zu Berlin, und ab 1825 die Professur für Orientalische Literatur.
Neben seiner Lehrtätigkeit verfasste er weitere Schriften, aufbauend auf seinen Untersuchungen für viele europäischen Sprachen, und war Mitglied in mehreren Gesellschaften in Deutschland, Russland und Frankreich.
Franz Bopp war verheiratet und lebte unweit der Universität. Über sein Privatleben ist nur wenig bekannt. Er starb 1867 in Berlin und wurde in Kreuzberg beigesetzt.
Seine Werke haben bis heute Bestand. Er war in so vielen Sprachen unterwegs wie kaum ein anderer und inspiriert Generationen von Sprachwissenschaftler*innen durch seine Art zu denken und zu forschen.
Quellen
Daniel Bunčić, Barbara Sonnenhauser, Anastasia Bauer & Tobias-Alexander Herrmann. 2024. Einführung in die Linguistik der slavischen Sprachen (Textbooks in Language Sciences). Berlin: Language Science Press.
Harald Wiese: Eine Zeitreise zu den Ursprüngen unserer Sprache. Wie die Indogermanistik unsere Wörter erklärt. Logos, Berlin 2007
