Falsche Freunde – Stolperfallen beim Sprachenlernen

Es gibt einen Moment, den so gut wie alle Sprachenlernende kennen: Man hört oder liest ein Wort und denkt sich: „Das ist ja wie in meiner Sprache!“ Und dann kommt raus, dass es doch was anderes ist! Ein falscher Freund! Irgendwie frustrierend, oder?

Falsche Freunde sind ein Problem, nicht nur zwischen Menschen, sondern auch in der Linguistik. Doch was genau bedeutet das, falsche Freunde? Mit dieser Frage (aber nicht nur mit der) beschäftigt sich ein Teilbereich der Sprachwissenschaft, die Interlinguistik.

Natürlich ist jedem klar, dass es zwischen Sprachen Ähnlichkeiten gibt, vor allem im Wortschatz. Das wird immer deutlicher je mehr Einfluss eine Sprache hat, weil aus ihr viele Wörter entlehnt werden. Daraus ergeben sich oftmals Missverständnisse zwischen Sprechern. Denn nicht nur das Verstehen, sondern auch die Verwendung der Wörter führt zu Fehlern in der Kommunikation.

Der „falsche Freund“ ist eine Übersetzung des französischen Begriffes „faux ami“ (engl. false friend), der zum Ende der 1920er Jahre durch zwei französische Wissenschaftler geprägt wurde. Er bezeichnet Wortpaare unterschiedlicher Sprachen, die sich im Aussehen oder Aussprache ähnlich sind, aber unterschiedliche Bedeutungen haben. Oft haben die Wörter den gleichen Ursprung, aber entwickelten sich über einige Zeit in unterschiedliche Richtungen oder haben teilweise ihre Bedeutung verändert. Falsche Freunde sind daher auch oft Grund für Übersetzungsschwierigkeiten.

Seit der Begriffsentstehung haben schon viele versucht eine Klassifikation dieses Phänomens vorzunehmen. Es erwies sich als schwierig, weil man auf alle Bereiche der Sprache eingehen muss. In erster Linie fallen die falschen Freunde innerhalb des Wortschatzes auf, aber auch auf anderen Ebenen gibt es Varianten von ihnen.

Interessant sind die Entstehungsmechanismen falscher Freunde. Allgemein lässt sich feststellen, dass falsche Freunde in verwandten Sprachen und Sprachen mit historisch engem Kontakt wesentlich häufiger vorkommen als zwischen Sprachen, die geografisch und sprachtypologisch keine Verwandtschaft zeigen. Im Fall der europäischen Sprachen betrifft das viele Entlehnungen aus dem Griechischen und Lateinischen, da viele Sprachen (nicht alle!) große Teile ihres Wortschatzes aus diesen beiden Sprachen rekrutiert haben. Das heißt nicht, dass falsche Freunde aus verwandten Sprachen ursprünglich immer gleich waren, aber oft ist es der Fall.

Zufällige Ähnlichkeiten im Klang zweier Wörter aus nicht verwandten Sprachen könnten dazu führen sie für verwandt und gleichbedeutend zu halten z.B. das estnische Wort ‚aas‘- ‚Wiese‘ (nicht ‚Aas‘). Auch Wörter, die früher gleiche oder ähnliche Bedeutungen hatten können sich im Laufe der Zeit zu zwei semantisch unterschiedlichen Wörtern entwickeln. Ein weiterer Grund können historische Lautverschiebungen in verwandten Sprachen sein, die Wörter phonologisch derart stark verändern, dass sie anderen Wörtern mit anderen Bedeutungen gleichen z.B. engl. ‚bite‘- dt. ‚beißen‘ (nicht ‚bitte‘).

Die Arten von falschen Freunden werden u.a. von Annette Kroschewski in Kategorien eingeteilt. Sie unterscheidet zwischen inter- und intralingualen falschen Freunden.

Die interlingualen (zwischen zwei Sprachen) umfassen die Kategorien orthographisch, phonologisch, morphologisch und semantisch, syntaktisch, idiomatisch, pragmatisch und textlinguistische falsche Freunde. Einige Beispiele kennen wir alle: Wer hat nicht schon mal englische ‚become‘ intuitiv mit ‚bekommen‘ übersetzt oder ‚gift‘ als ‚Gift‘ statt ‚Geschenk‘? Etwas schwieriger wird es mit mit kontextabhängigen falschen Freunden wie das das polnische ‚Cześć!‘, das als Hallo! und Tschüss! verwendet werden kann, während man Hallo! und Tschüss! nicht synonym nutzen kann.

Noch gemeiner sind gleichgeschriebene Wörter, die sich im Genus unterscheiden z.B. span. el minuto – dt. die Minute. Dabei ist zwar die Bedeutung gleich, aber durch die fehlerhafte Verwendung des Genus ergeben sich Fehler in der Sprachverwendung.

Die intralingualen (innerhalb einer Sprache) beinhalten die Kategorien diachronisch und synchronische falsche Freunde. Dabei kann es sich um Wörter handeln, die in Laufe der Zeit ihre Bedeutung geändert, verstärkt oder abgeschwächt haben, so dass sie nicht mehr im selben Kontext genutzt werden können. Beispielsweise konnte das mittelhochdeutsche Wort ‚stolz‘ damals ‚tapfer‘ bedeuten. Heutzutage könnte man eins nicht gegen das anderen austauschen, weil die Bedeutung verschieden ist. Gut dokumentiert sind die falschen Freunde in den Varianten des Englischen. Ein bekanntes Beispiel ist das Wort ‚football‘, was in Großbritannien eine andere Sportart als in den USA bezeichnet.

Die Zahl der falschen Freunde zwischen Sprachen scheint endlos zu sein. Ihre Existenz sorgt in manchen Fällen für Heiterkeit, in anderen vergeht einem das Lachen. Genauso riesig wie die Beispiele sind die Ursachen und Entstehungswege. Aber eins verbindet alle falschen Freunde: Sie machen Sprachenlernenden das Leben schwer!!!!!

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