Kalaallisut – Die Sprache Grönlands

Grönland ist zur Zeit das Thema Nummer 1 in den Medien. Doch nicht die Kultur oder die Sprache sind von Interesse, sondern politische Ambitionen eines Mannes, dem die Menschen dort völlig egal sind! Dabei ist die Sprache der Grönländer*innen für mich eins der wichtigeren Thema, die es zu entdecken gibt.

Kalaallisut, im Deutschen oft auch als Grönländisch bezeichnet, gehört zur eskaleutischen Sprachfamilie, deren Sprachgebiet sich von Grönland über den Norden Kanadas bis nach Alaska und kleine Areale Russlands erstreckt. In Grönland sprechen etwa 50.000 Menschen Kalaallisut, kleinere Sprachgemeinschaften (ca. 10.000) leben in Dänemark.

Die Sprache besitzt einen synthetischen Sprachbau, d.h. die Wörter werden durch das Aneinanderreihen verschiedenster Morpheme sehr lang.

Das Phoneminventar ist mit 3 Vokalen und 18 Konsonanten recht überschaubar, wobei einige Konsonanten nur in langer oder kurzer Form vorkommen. Die möglichen Lautkombinationen sind streng beschränkt, es kommen z.B. nicht alle Laut am Wortanfang und -ende vor. Auch die Betonung und Silbenlänge folgt strengen Regeln.

Die Grammatik unterscheidet sich vom Deutschen insbesondere dadurch, dass Kalaallisut eine Ergativsprache ist, d.h. es besitzt ein anderes Kasussystem. Die Morphologie ist reichhaltig und oft durch die Phonologie beeinflusst.

Der Erbwortschatz des Kalaallisuts ist weitestgehend erhalten geblieben, aber neuere Lexik wurde aus dem Dänischen und heute teilweise auch aus dem Englischen entlehnt.

Es lässt sich nicht sagen ab wann Kalaallisut auf Grönland gesprochen wurde, da es keine Schriftquellen vor Kolonalisierung der Insel durch Dänemark gibt. Eine standardisierte Schreibung existiert seit der Herausgabe einer Grammatik 1852 von Samuel Kleinschmidt, die aber 1973 durch eine neue Rechtschreibung stark verändert wurde. Die Schrift ist phonetisch, wird also so geschrieben wie gesprochen.

Die Sagen und Mythen der grönländischen Kultur wurden über Jahrhunderte nur mündlich weitergegeben, die nach der Verschriftlichung der Sprache von meist dänischen Forschern aufgeschrieben wurde. Seit Mitte des letzten Jahrhunderts  entwickelt sich eine stetig wachsende Literaturszene.  

Obwohl Kalaallisut eine relativ kleine Sprache ist, sind die Sprecher*innengruppen durch die geografischen Gegebenheiten Grönlands doch stärker voneinander getrennt als z.B. in Europa und daher lassen sich trotzdem mehrere Dialekte klassifizieren, die sich mitunter stark voneinander unterscheiden. Eingeteilt werden drei Hauptdialekte: Inuktun im äußersten Nordwesten, Tunumiisut im Osten und Kitaamiusut an der Westküste der Insel. Kitaamiusut wird abermals unterteilt in sechs weitere Dialektgruppen. Der in der Hauptstadt Nuuk gesprochene Dialekt wird als Standardvarietät angesehen.  

Momentan kann man Kalaallisut im Rahmen eines sprach- und kulturwissenschaftlichen Studium an zwei Universitäten in Dänemark und Grönland studieren.

Quellen

Holst, Jan Henrik. Einführung in die eskimo-aleutischen Sprachen. Buske, Hamburg 2005

Kleinschmidt, Samuel. Grammatik der Grönländischen Sprache, mit theilweisem Einschluss des Labradordialects. G. Reimer, Berlin 1851

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