
Seit einigen Jahren wird der Mangel an Sorbisch-Lehrkräften zum echten Problem für die Lausitz. Der Unterricht für Sorbisch als Fremdsprache und der Fachunterricht in Sorbisch, wie es z.B. für Englisch oder Französisch üblich ist, kann an vielen Standorten in der Lausitz seit Jahren nicht mehr flächendeckend angeboten werden. Es fehlen schlichtweg die Lehrkräfte! Eltern haben schon seit Langem auf dieses Problem hingewiesen, schließlich haben ihre Kinder ein Recht aus sorbischsprachige Beschulung.
Jetzt kommt endlich Bewegung in die Sache, obwohl die Vorbereitungen dafür schon seit einigen Jahren laufen: Der neue Studiengang für ein (Nieder-)Sorbisch-Grundschullehramt an der BTU Cottbus-Senftenberg startet zum Wintersemester 26/27. Die Studierenden können zwischen der Kombination Deutsch/Sorbisch und Mathe/Sorbisch wählen, der benötigte Master soll in Kürze folgen, damit die Studierenden nach den Bachelorabschluss ihr Aufbaustudium auch an der BTU absolvieren können.
Bisher mussten Menschen, die Niedersorbisch auf Lehramt studieren wollten, nach Leipzig gehen, zur einzige Sorabistik Deutschlands. Dort werden seit den 1950er Jahren Lehrkräfte für beide sorbischen Sprachen, nieder- und obersorbisch, ausgebildet. Leider ist die Dominanz des Obersorbischen in Leipzig ein Grund für fehlende Niedersorbisch-Studierende.
Die meisten Menschen, die Niedersorbisch sprechen oder es in der Schule lernen, leben in der Niederlausitz. Es ist ein großer Schritt die Heimat zu verlassen, in eine fremde Stadt zu ziehen und wenn das Studium dann auch noch wenig mit dem Niedersorbischen zu tun hat, müssen sich die Verantwortlichen nicht über sinkende Zahlen wundern.
Der Studiengang an der BTU bietet den praktischen Vorteil, dass die jungen Menschen nicht wegziehen müssen und genau dort leben, wo die Sprache lebt. Auch die Praktika, die im Studium vorgesehen sind, können problemlos an geeigneten Schule absolviert werden, die sich sehr um die neuen Lehrkräfte bemühen werden.
Unklar ist allerdings, ob sich genug Interessierte für das Studium bewerben, die erste Kohorte soll 12 Studierende umfassen. Ebenso wird es eine große Herausforderung sein die nötigen Dozierenden für die verschiedene Fachbereiche zu finden, darüber gibt es noch wenig Informationen. Aber ein neuer Studiengang braucht immer Zeit, um sich zu etablieren.
Doch nicht nur der Optimismus und die Vorfreude der sorbischen Gemeinschaft ist zu lesen und zu hören, sondern auch die Kritiker. Sie argumentieren, dass die Summen für die Einrichtung des Studienganges anderswo besser eingesetzt werden könnten. Ich kann diese Einstellung nicht verstehen, denn die niedersorbische Sprache ist ein Identitätsmerkmal der Niederlausitz, ein Jahrtausende altes Kulturerbe und Zeichen von Diversität und Toleranz. In dieser Zeit, in der Rassismus, Antislawismus und Nationalismus immer präsenter werden, ist dieses Studium ein Zeichen für die Lausitz und ihrer einzigartigen und faszinierenden Kultur!
Was denkst du über die Einrichtung eines Sorbisch-Lehramtes in der Niederlausitz?
Mehr Infos zum Sorbischstudium an der BTU: https://www.b-tu.de/lehramt-primarstufe-bed
